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110 Jahre Vehnemoor: Aus Moor und Mangel entstand Industrie

  • Autorenbild: Martin Pille
    Martin Pille
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit
Wiedervernässung heute im Vehnemoor.
Wiedervernässung heute im Vehnemoor.

Bösel/Edewechterdamm. Es war eigentlich keine Firmengründerzeit, als Europa ins dritte und vierte Weltkriegsjahr ging, heute vor 110 Jahren. Und dennoch: Als überall die Ernährungslage schlecht ist, Brot und Kartoffeln so knapp sind, dass Lebensmittelkarten eingeführt werden müssen, gründen Friedrich Graf von Landsberg und Georg Klasmann in Bösel-Edewechterdamm 1916/17 die Vehnemoor GmbH.

Nördlich von Bösel lag das Moor, als das Schweigen dort noch tief und unerschütterlich und ernst, aber nicht traurig, geheimnisvoll, aber nicht öde war; ein Schweigen doch, das Katastrophen vorausgeht. Man spürte es: Moore sind unheimlich wie Friedhöfe, und es riecht nach Fäulnis und Tod, aber sie sind das Leben für das Moor. Grünschwarze Tümpel ohne Bewegung ist wie vergossenes Öl. Aber: In der Bevölkerung herrschte ein großer Mangel an Kohle. Wo das Moor zu Torf gestochen und als Holzersatz im Ofen landete, da war die Not die Ursache.


Torfwerk Vehnemoor. Fotos: Martin Pille und Archiv Pille
Torfwerk Vehnemoor. Fotos: Martin Pille und Archiv Pille

Pionierarbeit kam auf die Gründer und ihren späteren Geschäftsführer, Franz Mecking, der Garant für den Erfolg, zu. Das Problem des Absatzes löste er mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Edewecht-Edewechterdamm. Bald wurde mit dem Bau einer Torfstreufabrik begonnen. 1921 verließ der erste Ballen die Presse, um nach Amerika oder den Kanarischen Inseln exportiert zu werden.

Schwarztorf wurde in den Pütten zunächst noch im Handstich gefördert. Erst als 1922 die Hochspannungsleitung von Wildenloh herangeführt wurde und zwei Wielandt-Bagger geliefert worden waren, begann der maschinelle Abbau. Nach schweren Gründer- und Kriegsjahren stirbt Franz Mecking 1950. Die Geschäftsführung übernimmt sein Sohn Hans-Heinz Mecking, zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Bernd-Georg. Später ist Hans-Heinz alleiniger Betriebsleiter, vor allem aber dessen Motor, ausgestattet mit dem untrüglichen Gespür für das unternehmerisch Richtige.

Eine neue Phase, die der Kultivierung der abgetorften Flächen, beginnt. Danach wird ein größeres Areal für die Errichtung von 21 Nebenerwerbssiedlungen und Häusern freigegeben. Die Firma sorgte für eine neue Heimat vieler; Menschen strömten nach den Weltkriegen aus den verlorenen Gebieten gen Westen, viele davon fanden Arbeit im Moor, den Anschluss an die heimische Bevölkerung, "platt" mischte sich mit schlesischem oder pommerschem Akzent. Heute gehört die Vehnemoorgesellschaft zur Deilmann-Klasmann GmbH. 1975 wird die Brenntorfproduktion eingestellt und Blumenerde und Substrate produziert.

Wie alle Torfwerke war auch die Torfgesellschaft einem immer größer werdenden Druck der Naturschützer ausgesetzt und geriet zunehmend in die Diskussion um das rechte Maß zwischen Wirtschaft und Landschaft.


Die Moorbahn ist bereits abgebaut
Die Moorbahn ist bereits abgebaut

Vor über 20 Jahren wurden 1676 Hektar Moor unter Naturschutz gestellt. Zurückholen kann man indes nichts mehr, aber es entsteht etwas, was wertvoll sein kann: ein offener, nährstoffarmer und moortypischer Lebensraum, der Platz bietet für viele schutzbedürftige Arten und Lebensgemeinschaften. Nach Auskunft von Kreissprecher Frank Beumker vom Landkreis Cloppenburg gibt es in der Gemeinde Bösel keine aktive Abbaugenehmigung mehr. Nur noch zwei Genehmigungen existieren für die Gemeinde – bei beiden Flächen ist zwar der Abbau beendet, aber die Renaturierung und der Rückbau mit der Wiedervernässung der Flächen ist noch nicht abgeschlossen. Bis maximal 2046 laufen auch alle anderen Genehmigungen im Landkreis aus.

Im Moor beobachten heute die Menschen den faszinierenden Kranicheinflug im Herbst. An den aktiven Torfabbau auf den großen Flächen erinnern dann nur noch das Böseler Gemeindewappen und eventuell für das geübte Auge erkennbare Höhenunterschiede im Landschaftsprofil.

 
 
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