150 Jahre Bösel: Vom Kampf um die Selbstständigkeit zum Ortsjubiläum
- Martin Pille

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Bösel. Bösel begeht in diesem Jahr ein „kleines Ortsjubiläum“. Denn 1876 erhob der Großherzog von Oldenburg den Ort zur selbstständigen politischen Gemeinde und vollzog damit die Trennung von Altenoythe. Bereits drei Jahre zuvor hatte sich die katholische Pfarrgemeinde Bösel verselbstständigt. Dies bestärkte die Böseler Vertreter im Altenoyther Gemeinderat unter Führung von Bauernvogt Hinrich Kurmann darin, auch die politische Unabhängigkeit durchzusetzen.
Altenoyther Widerstand blieb erfolglos
Gemeinsam mit Laurenz Osterwiek, Josef Kühter, Johann Bernard Drees sive Ernst und Heinrich Preuth kämpfte Kurmann für die Eigenständigkeit. Altenoythe versuchte wiederholt, die Pläne beim Großherzoglichen Staatsministerium zu verhindern und stellte die Lebensfähigkeit beider Gemeinden infrage. Doch die Gemeindeordnung von 1855 stärkte die kommunale Selbstverwaltung und die Mitbestimmungsrechte der Bürger. In der Folge entstanden neue politische Verwaltungseinheiten wie Garrel (1872), Bösel (1876) und Neuscharrel (1879).
Die erste Gemeindewahl in Rohens Gasthaus
Nach der Gründung musste Bösel erstmals eigene Kommunalvertreter wählen. Die konstituierende Versammlung fand am 1. Mai 1876 unter Leitung von Amtmann B. Friedrich Zedelius in Rohens Gasthaus statt. Wahlberechtigt waren ausschließlich Männer. Zum ersten Gemeindevorsteher wurde der 48-jährige Zeller Bernd Meiners gewählt. Für sein Amt erhielt er jährlich 180 Mark, trat später jedoch zurück, nachdem seine Entschädigung gekürzt worden war.
Aufbau der jungen Gemeinde
Zum Beigeordneten bestimmten die Gemeinderatsmitglieder Gerd Hinrich Rolfs sive Henken. Rechnungsführer wurde Gastwirt und Kaufmann Johann Heinrich Rohen. Als erster Armenvater wirkte Gerd Hinrich Lanfermann, während Gerd Höffmann aus Osterloh die Aufgaben des Feldhüters und Bestellboten übernahm. Die bisherigen Bauernvögte wurden durch Bezirksvorsteher ersetzt, die zugleich ortspolizeiliche Aufgaben wahrnahmen. 22 Jahre später entstand mit dem Böseler Spar- und Darlehnskassenverein eine weitere wichtige Institution der Gemeinde.
Zwischen Eingemeindung und Neubeginn
Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Bösel 1933 wieder Altenoythe zugeschlagen. Erst 1948 erhielt die Gemeinde ihre Selbstständigkeit zurück. Bürgermeister wurde Anton Nordenbrock, Gemeindedirektor Bernard Ruske. Damit begann eine Entwicklung, die Bösel zu einer eigenständigen und prosperierenden Kommune machte. Während Altenoythe seine Selbstständigkeit bei der Gebietsreform 1974 trotz juristischer Gegenwehr verlor, konnte Bösel diese bewahren.

Blick auf das große Jubiläum 2030
Das nächste große Jubiläum steht bereits bevor: Im Jahr 2030 soll die erste urkundliche Erwähnung Bösels als „Borsla“ gefeiert werden. Dann jährt sich die Nennung aus dem Jahr 1080 zum 950. Mal.
Jubiläumsprogramm bis zum Herbst
Den Auftakt der Feierlichkeiten machten bereits die Borsla-Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur mit einem literarisch-plattdeutschen Abend sowie die Gemeinde mit Bustouren durch das Gemeindegebiet.
Am Sonntag, 14. Juni, folgt der Hollandmarkt auf der Straße „Am Kirchplatz“. Eine Woche später, am 21. Juni, lädt der Heimatverein unter dem Motto „Bäösel upp Rad“ zu einer Fahrradtour durch alle Bezirke ein.
Ein Höhepunkt erwartet die Gemeinde am ersten September-Wochenende mit dem OM-Familientag und den EURO-Musiktagen. Am 11. Oktober öffnet das Rathaus seine Türen, präsentiert seine neuen Räume und zeigt eine Fotoausstellung zur Geschichte Bösels. Gleichzeitig erscheint das Fotobuch „Bösel – Eine Zeitreise in Bildern“, das Martin Pille im Auftrag der Gemeinde zusammengestellt hat.



