Aktionswoche Alkohol: "Es gibt viele Wege aus der Sucht"


Friesoythe/Kreis Cloppenburg (cl). Es war ein schleichender Prozess, aber irgendwann funktionierte das Versteckspiel nicht mehr. Der Arbeitgeber erkannte, dass sein Angestellter ein Alkoholproblem hat und dem Teufelskreis nicht mehr alleine entfliehen kann. Fallenlassen kam für den Unternehmer allerdings nicht infrage. Er suchte zunächst das Gespräch mit dem Mann und daraufhin professionelle Hilfe. „Kein Einzelfall, das erleben wir häufiger“, sagt Heike Kläne von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention für den Landkreis Cloppenburg. Sie ist eine von sechs Institutionen, die sich auf Initiative der VHS-Kontaktstelle für Selbsthilfe im Landkreis an der bundesweiten „Aktionswoche Alkohol“ beteiligt. „Das gab es in dieser Form noch nie“, freuen sich Leiterin Andrea Poppe-Aumüller und Kollegin Darja Miller über die gelungene Kooperation.
Austragungsort ist am 15. und 16. Juni Friesoythe. „Es ist wichtig, dass wir immer wieder auf uns aufmerksam machen“, unterstreicht Andrea Poppe-Aumüller im Einklang mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Der Bedarf sei hoch, was Anfragen zu Therapiemöglichkeiten und zahlreiche Selbsthilfegruppen im Kreisgebiet bewiesen.
Alkohol ist in der Gesellschaft fest verankert und die am weitesten verbreitete Alltagsdroge. Wie selbstverständlich zählt er zu jedem Fest und auch beim Sport zum Team, wenn nach dem Training traditionell die Kiste Bier in die Kabine geschoben wird. „Beispielhaft, dass manch Verein das mittlerweile nicht länger akzeptieren möchte und uns zu einem Austausch einlädt“, so Heike Kläne, dessen Fachstelle Betroffenen und Angehörigen ein vielfältigesAngebot bietet und darüber hinaus Präventionsarbeit in Vereinen, Kirchen, Schulen, Gemeinden und Betrieben betreibt.
Kreisjugendpflegerin Alexandra Pille verweist auf das Thema Alkohol in der Schwangerschaft und die Auswirkungen, die während der Aktionswoche „faktisch dargestellt“ werden. Orientierung und Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben geben möchte auch Maria Steingrefer von der Cloppenburger Drogenberatungsstelle „Drobs“. Erlebnisse, Sorgen und Ängste teilen können Betroffene und Angehörige in Selbsthilfegruppen, in dessen Arbeit Wilfried Witting, Leiter der Altenoyther Sucht-Selbsthilfegruppe Alkohol und Medikamente, Einblicke gibt.
Dass manch Elternteil sich seine Sucht als ersten Schritt eingesteht und Hilfe zur Selbsthilfe annimmt, darauf hoffen junge Söhne und Töchter, die sich eigenständig an eine der Beratungsstellen gewandt haben, damit der permanente Griff zur Flasche bald vorbei und Familienleben wieder möglich ist. Leicht ist es nicht, „aber es gibt viele Wege aus der Sucht“, wissen die Experten im Kreisgebiet aus langjähriger Erfahrung.
Info: Den Auftakt bildet am Montag, 15 Juni ab 18.30 Uhr ein Fachvortrag zum Thema „Vom Genuss zur Sucht“, bei dem es im St. Elisabethhaus am Krankenhaus um Suchtmittelmissbrauch, Suchterkrankung sowie schützende und heilende Prozesse geht.
Einen Tag später (Dienstag, 16. Juni) stellen sich die Gastgeber im Kulturzentrum „Alte Wassermühle“ zwischen 18 und 21 Uhr mit Infoständen vor, laden zu kleinen Aktionen ein und bieten das persönliche Gespräch mit Austausch an. Ab 19 Uhr läuft im hauseigenen „Cineo“ der Film „22 Bahnen“, bei dem es um die Geschichte zweier Schwestern und ihre alkoholkranke Mutter geht.


