Als Friesoythe wieder wählen durfte: Der Weg zurück zur Demokratie


Friesoythe. Am 15. September 1946 durften die Friesoyther Bürger erstmals nach dem Weltkrieg wieder wählen. Die britische Militärregierung ging schrittweise zur demokratischen Selbstverwaltung über. Es war allerdings noch keine völlig souveräne kommunale Demokratie: Kandidaten und Wahlvorschläge mussten von den Briten zugelassen werden. Vier Wochen später wählte der neue Stadtrat den Schuhmachermeister Heinrich Vogel einstimmig zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Stadtdirektor wurde ein Jahr später der Rechterfelder Bernhard Bramlage, dem man 1954 eine Kündigung von sich aus nahelegte und Gerhard Schonebeck zu seinem Nachfolger wählte.
Gewählt wurde 1946 in vier Wahlbezirken: Stadtgebiet, Schwaneburg-Mehrenkamp, Thüle-Pehmertange-Heetberg sowie in Markhausen. Je drei Vertreter wurden direkt gewählt, drei weitere kamen über die Reserveliste hinzu. Es war kein reines Verhältniswahlrecht. Die Briten setzten ein System durch, das stark personen- bzw. mehrheitswahlrechtliche Elemente enthielt. Gerade in kleineren Gemeinden begünstigte das örtlich bekannte Persönlichkeiten und unabhängige Kandidaten gegenüber Parteiorganisationen. Bemerkenswert: Alle gewählten Männer gehörten der CDU an.
Für Markhausen nahm die Geschichte ihren eigenen Lauf: Das NS-Regime hatte 1933 Markhausen mit Friesoythe zusammengeschlossen. Das Gesetz über die Neubildung von Gemeinden 1948 stellte die kommunale Selbstständigkeit wieder her. Heinrich Köster wird ab 1. April 1948 dort Bürgermeister. Bei der niedersächsischen Gebietsreform wurde Markhausen dann 1974 erneut mit Friesoythe zusammengeschlossen – diesmal wohl dauerhaft.
Während auf Landesebene die SPD sehr stark war, gab es in Friesoythe praktisch eine konfessionell-bürgerliche CDU-Hegemonie. Und das kam nicht aus dem Nichts. Die politische Grundstruktur des Ortes war traditionell katholisch und zentrumsorientiert, nicht sozialdemokratisch geprägt. Als die Nazis die kommunalen Vertretungen nach dem Reichstagswahlergebnis vom März 1933 neu zusammensetzten, ergab sich für Friesoythe ein Stadtrat mit sieben Mitgliedern der Zentrumspartei und fünf Mitgliedern der NSDAP.
Nach 1945 musste diese alte katholische politische Tradition allerdings ein neues organisatorisches Zuhause finden. Das wurde zunehmend die CDU. Der CDU-Kreisverband Cloppenburg wurde bereits am 28. März 1946 gegründet – also Monate vor der Kommunalwahl. Die CDU war damals allerdings noch nicht die fest etablierte Volkspartei, die sie später wurde. Sie war vielmehr ein neues Sammelbecken für ehemalige Zentrumsleute, katholische Honoratioren, konservative Bauern und Teile des bürgerlichen Mittelstandes. Im katholischen Oldenburger Münsterland konnte sie aber besonders schnell Fuß fassen. Das war der Übergang des alten katholischen Zentrums-Milieus in die neue christdemokratische Partei.
Beginnen musste die Stadtverwaltung in einer Baracke, denn das alte Rathaus wurde im April 1945 vollkommen zerstört. Erst 1959 baute Friesoythe in der Stadtmitte ein neues Rathaus.



