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Die Wassermühle in Friesoythe - eine 800-jährige Geschichte

Autorenbild: Martin Pille
Martin Pille
vor 3 Stunden
3 Min. Lesezeit

Über Jahrhunderte diente die Wasserkraft der Soeste dazu, Getreide zu mahlen und später auch Maschinen und elektrische Anlagen anzutreiben


Die Wassermühle als Kulturzentrum
Die Wassermühle als Kulturzentrum

Vor 800 Jahren wurde die alte Wassermühle in Friesoythe von den Grafen zu Tecklenburg errichtet, als auch die Burg zu Oythe entstand. Über Jahrhunderte diente die Wasserkraft der Soeste dazu, Getreide zu mahlen und später auch Maschinen und elektrische Anlagen anzutreiben, ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Versorgung. Ein Wasserrad trieb das Mahlwerk an. Die Mühle nutzte das Gefälle der Soeste, das durch einen Wasserstau für den Betrieb nutzbar gemacht wurde. Seit dem gehört sie zu den geschichtsträchtigen Orten der Stadt. Heute ist das Gebäude ein Kulturzentrum.


Die umliegenden Kirchspiele, mit Ausnahme der Saterländer, waren durch das Bannrecht verpflichtet, all ihr Getreide auf dieser herrschaftlichen Mühle mahlen zu lassen. Das galt auch für das Kirchspiel Barßel, obwohl die Wege weit und schlecht waren. Noch 1711 wehrte sich die münstersche Regierung gegen Pläne, in Barßel eine eigene Windmühle zuzulassen. Sechs Jahre später jedoch gibt sie nach und erlaubt dort den Bau einer eigenen Windmühle. Der Preis: Sie müssen den doppelten Mahlzoll erheben, wovon der jeweilige Pächter der Friesoyther Wassermühle die Hälfte erhält.


Richter Raban Wilhelmus Hermannus Düvell
Richter Raban Wilhelmus Hermannus Düvell

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Wassermühle umgebaut oder neu errichtet. Das ergaben Grabungen und dentrochronologische Untersuchungen im Jahr 2003. Ab 1578 wurde die Mühle verpachtet. Pächter waren meist die Richter der Stadt, beginnend mit Richter Herbort Tameling. Ab 1643 war es auch Bernard Kobrink, der auf Gut Altenoythe saß. Und ab 5. März 1766 waren es „Pancratz und Konsorten“, die einen Pachtvertrag über 30 Jahre abschlossen.


Ein interessanter Pächter war ab 1713 Richter Raban Wilhelmus Hermannus Düvell, der auch Gograf des Saterlandes war. Er war es auch, der die Friesoyther Allee längs der Soeste anlegen ließ. Mit der Stadt lag Düvell im ständigen Streit. Es ging der Stadt darum, die eigene Zuständigkeit bei Ausübung der Gerichtsbarkeit gegenüber dem landesherrlichen Gericht zu behaupten. Aber auch darum, dass der Richter das Privileg für sich reklamierte, von Abgaben befreit und gewerblich tätig zu sein. Es kam zu einem Vergleich, den der Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zu Münster bestätigte. Der Richter verzichtete darauf, „hinkünftig sowohl als vormahls geschehen weder Wein weder Bier verzapfen oder Maltz verkaufen zu wollen“. Von der bürgerlichen Stadtschatzung war er künftig befreit und konnte drei Jahre später auch die Mühle pachten. Nach dem Tod ihres Mannes 1730, wurde Düvells Ehefrau Helena Margaretha, geborene Nacke, aus Lastrup, Pächterin der Wassermühle.


Die alte Wassermühle. Fotos: Martin Pille und Archiv Martin Pille
Die alte Wassermühle. Fotos: Martin Pille und Archiv Martin Pille

Noch bis 1821 war die Wassermühle später an Helmerich Wreesmann aus der Langestraße verpachtet. Das dazu gehörende Haus gehörte jedoch dem Richter Dr. Joseph Jansen. Als der an das Landgericht Cloppenburg versetzt wurde, verkaufte er sie dem Staat für 3000 Taler. Nachfolger von Wreesmann waren Holthaus und Plate. Nach Missernten und zahlreichen Turbulenzen wurde das Bannrecht aufgehoben. Man verlor die Kunden aus Bösel und Garrel an die Wassermühle in Aumühlen (Bösel).


1855 verkaufte man die Mühle an den Müller Joseph Niemöller aus Endeln, der sie dann 1857 nebst Haus und Markenabfindung an die Brüder Anton und Wilhelm Warnken verkaufte. Der Sohn des Anton mit gleichem Vornamen erbte die Mühle später. Die Wasserräder ersetzte man 1908 durch eine Turbinenanlage. In der Folge wurde hier nicht nur Getreide gemahlen, sondern die Wasserkraft später auch für eine Bäckerei, ein Sägewerk und die Stromerzeugung genutzt.  Die Warnkens machten aus der traditionellen Wassermühle einen vielseitigen Gewerbebetrieb. Die Stromerzeugung, die ab 1908 in das öffentliche Netz einspeiste, war dabei besonders bedeutend. Die Mühle ist deshalb nicht nur ein Denkmal des alten Müllerhandwerks, sondern auch ein frühes Beispiel für die Nutzung erneuerbarer Energie im Oldenburger Land.


Helena Margaretha Duvell
Helena Margaretha Duvell

Zum Ende des 2. Weltkriegs wurde die Mühle zerstört und ohne Wasserrad wieder aufgebaut. Als der Mühlenbetrieb ausgesiedelt wurden verfiel das Gebäude. 1997 übernahm es der Mühlenverein und baute es zum Kulturzentrum, heute auch mit einem Kino aus. Aber es gibt auch wieder ein Wasserrad, eine Wasserschnecke und eine Fischtreppe.

 
 
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