Frauentag: Respekt statt Rabattcodes
- Julius Höffmann

- vor 1 Tag
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Die Sonntags-Kolumne
Von Julius Höffmann

Heute ist wieder dieser Tag. Der 8. März. Der Tag, an dem kollegiale Rosen durch Großraumbüros wandern wie Wanderpokale der Wertschätzung. Es ist Internationaler Frauentag. Offiziell ausgerufen von den Vereinten Nationen, in Deutschland in manchen Bundesländern sogar ein Feiertag. Ein Tag zwischen ehrlicher Anerkennung und PR-Abteilung im Ausnahmezustand.
Man erkennt ihn zuverlässig daran, dass Konzerne mit einem Frauenanteil im Vorstand von 3,7 Prozent sehr emotionale Kampagnen fahren. Dass es Sekt zum Frühstück gibt – und die Frage „Na, habt ihr heute frei?“ Dabei war der Ursprung einmal radikal. Streikend. Laut. 1910 schlug Clara Zetkin auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz vor, einen internationalen Kampftag für Frauenrechte einzuführen. Kein Wellnesstag. Kein Gutschein-Event. Sondern ein politischer Weckruf.
Und heute? Natürlich hat sich viel verändert. Frauen sind Astronautinnen, Bundeskanzlerinnen, DAX-Vorständinnen. Sie leiten Unternehmen, Länder und nebenbei immer noch WhatsApp-Elterngruppen. Und ja, es gibt Fortschritte. Aber es gibt eben auch immer noch die Frage im Bewerbungsgespräch: „Wie sieht es denn mit Ihrer Familienplanung aus?“ – eine Frage, die Männern ungefähr so oft gestellt wird wie die nach ihrem Lieblingsnagellack.
Der Internationale Frauentag ist deshalb ein bisschen wie der Neujahrsvorsatz der Gleichberechtigung. Man nimmt sich viel vor, klopft sich gegenseitig auf die Schulter – und am 9. März geht alles weiter wie zuvor. Bis auf die Blumen, die welken genauso schnell wie manch' guter Vorsatz.
Aber vielleicht ist genau das die Pointe: Dieser Tag ist nicht dafür da, perfekt zu sein. Er ist dafür da, unbequem zu bleiben. Zu erinnern. Zu nerven. Und zwischendurch auch zu feiern – nicht mit Rabattcodes, sondern mit Respekt.
Also: Blumen? Gerne. Pralinen? Warum nicht. Aber vielleicht auch gleiche Bezahlung, faire Aufstiegschancen und die Erkenntnis, dass „starke Frauen“ kein Sonderlob sind, sondern eine Selbstverständlichkeit.



