„Mit Herz und Haltung“: Melanie Buhr tritt als SPD-Kandidatin an
- Julius Höffmann

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Von Julius Höffmann (mit Kommentar)

Friesoythe. Mit „Mit Herz und Haltung“ möchte Melanie Buhr ins Rennen um das Bürgermeisteramt in Friesoythe gehen. Am Donnerstagabend wurde die 45-Jährige im Landhaus Pollmeyer in Thüle von den Mitgliedern des SPD-Ortsvereins einstimmig als Kandidatin für die Bürgermeisterwahl im September nominiert (fritz online berichtete). Langanhaltender Applaus und Standing Ovations begleiteten das klare Votum.
Für Buhr bedeutet die Nominierung auch einen Schlusspunkt hinter bewegten parteiinternen Monaten. Nachdem sich die SPD-Findungskommission im Oktober zunächst überraschend für den damaligen Ortsvereinsvorsitzenden Olaf Eilers ausgesprochen hatte, kam es zu intensiven Diskussionen und Kritik. Eilers zog schließlich sowohl seine Kandidatur als auch den Vorsitz zurück.
Die ursprünglich favorisierte Buhr stellte sich daraufhin erneut zur Wahl – und erhielt nun den geschlossenen Rückhalt der Partei. „Mein Weg hierher war nicht perfekt“, sagte sie. Es habe Zweifel und Rückschläge gegeben, doch Aufgeben sei für sie nie infrage gekommen. Friesoythe brauche jetzt „Haltung, Mut und Führung“.

Die verheiratete Mutter von drei Söhnen betonte ihre enge Verbundenheit zur Stadt. Friesoythe sei ihre Geburts- und Heimatstadt, keine politische Aufgabe unter vielen. Seit 2001 gehört die gelernte Vermessungstechnikerin und Immobilienkauffrau dem Friesoyther Stadtrat an, seit 2021 ist sie stellvertretende Bürgermeisterin. Diese Jahre hätten sie geprägt – durch Verantwortung und praktische Erfahrung. Sie kandidiere als Frau. "Nicht, weil mein Geschlecht ein Bonus ist, sondern weil meine Erfahrungen es sind". Eine Frau an der Spitze, "ist kein Risiko", sondern "längst überfällig".
Inhaltlich setzte Buhr klare Schwerpunkte: Stärkung des Ehrenamts, Entwicklung der Ortschaften und eine lebendige Dorfgemeinschaft. „Heimat entsteht dort, wo Menschen sich begegnen – nicht im Rathaus.“ Bezahlbarer Wohnraum, Schulen und Kindergärten, Familie und Bildung nannte sie ebenso wie die Beteiligung junger Menschen. „Jugend braucht Platz und eine Stimme.“ Wirtschaft und Arbeit bezeichnete sie als „Rückgrat der Stadt“. Weitere Themen sind der Dialog mit der Landwirtschaft, Klimaschutz, kommunale Wärmeplanung und Biodiversität. Ein digitales Nachbarschaftsbüro solle den Austausch fördern. Zudem sprach sich Buhr für die Einführung eines Wochenmarktes mit regionalen Produkten aus.
Eröffnet wurde die Versammlung vom neuen SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Sören Wewer.
Kommentar
Von Julius Höffmann
Diese Wahl ist keine Formsache
Friesoythe kann sich glücklich schätzen: Die Bürgermeisterwahl im Herbst bietet echte Alternativen. Mit Jann Christian Hegewald (CDU) und Melanie Buhr (SPD) bewerben sich zwei Kandidaten aus zwei politischen Lagern um den Chefsessel im Rathaus. Mehr braucht eine funktionierende lokale Demokratie nicht – weniger wäre ein Armutszeugnis. Wer wählen will, muss unterscheiden können, muss hinschauen, abwägen und sich bewusst entscheiden.
Dass sowohl CDU als auch SPD mit neuen Kräften ins Rennen gehen, sorgt für Bewegung. Friesoythe steht nicht vor der Wahl zwischen Gewohnheit und Ermüdung, sondern vor einer Entscheidung über Richtung, Ton und Prioritäten.
Politische Prozesse verlaufen selten geräuschlos. Diskussionen, Reibungen, unterschiedliche Auffassungen gehören dazu – sie sind kein Makel, sondern das lebendige Zeichen einer Demokratie. Entscheidend ist, dass aus dieser Reibung Ideen, konkrete Prioritäten und ein klarer Stil entstehen, der den Menschen dient. Wer nur Ruhe verspricht, verwechselt Harmonie mit Stillstand.
Eine Wahl, die zur Auseinandersetzung einlädt, statt zur Gewohnheit zu werden, ist immer ein Gewinn. Sie zwingt zur Argumentation, zur Klarheit, zur Positionierung. Jetzt liegt es an den Kandidaten, Unterschiede sichtbar zu machen – nicht in Schlagworten, sondern in Inhalten und Konzepten, in realistischen Plänen für Friesoythe. Und an den Wählerinnen und Wählern, genau hinzusehen, zu prüfen, zu hinterfragen.
Denn diese Wahl ist keine Formsache. Sie ist ein Signal: Demokratie lebt von Entscheidungen, von Wettbewerb, von Verantwortung. Wer sie ernst nimmt, sorgt dafür, dass Friesoythe nicht nur verwaltet wird. Wer sie ignoriert, überlässt die Stadt den Gewohnheiten.



