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Nach der Verwüstung: St. Marien Friesoythe räumt auf

Autorenbild: Claudia Wimberg
Claudia Wimberg
25. Juni
2 Min. Lesezeit
Mit Heißluft: Hildegard Hettwer entfernt im Altarraum den Wachs des „Ewigen Lichts“, das der Täter von der Wand auf den Boden schleuderte. Fotos: Claudia Wimberg
Mit Heißluft: Hildegard Hettwer entfernt im Altarraum den Wachs des „Ewigen Lichts“, das der Täter von der Wand auf den Boden schleuderte. Fotos: Claudia Wimberg

Friesoythe. Auf dem Orgelboden entfernt Gerd Bley die letzten Glasreste aus dem Fensterrahmen, Maria Wübben fegt die Scherben der Schutzscheibe zusammen. Ein paar Meter weiter deckt Josef Averbeck die zerstörte Abstraktion der Orgel vorsorglich ab und Bernd Gründing hat sich den demolierten Schrank für den Streamingdienst vorgenommen. „Der ist noch zu retten“, erklärt der Tischlermeister und setzt den Akkuschrauber an.


Aufräumen hieß es in der Friesoyther St. Marien Kirche, die in der Nacht zu Montag (22. Juni) zum Tatort wurde. Wie berichtet, wird ein 25-jähriger Friesoyther verdächtigt, im gesamten Gotteshaus randaliert und erhebliche Schäden verursacht zu haben. Der Mann, den die Polizei als psychisch auffällig beschrieb, konnte noch im Gebäude von Beamten des Friesoyther Kommissariats gestellt werden. Die Spuren sind gesichert, die Ermittlungen laufen.


Auf dem Orgelboden: Gerd Bley und Maria Wübben beseitigen die Scherben einer eingeschlagenen Schutzscheibe.
Auf dem Orgelboden: Gerd Bley und Maria Wübben beseitigen die Scherben einer eingeschlagenen Schutzscheibe.

Aktuell wird die geschlossene Kirche für ihre geplante Öffnung am Mittwoch, 1. Juli, hergerichtet. Helfende Hände dafür zu finden „ging ganz schnell“, dankte Josef Averbeck als Mitarbeiter des Pfarrteams Seelsorgerin Hedwig Sänger, die kurzerhand zum Telefon gegriffen und eine Gruppe ehrenamtlicher Gemeindemitglieder aktiviert hatte.


Sachverständige des Offizialats waren bereits vor Ort, um die vom Vandalismus betroffenen Heiligenfiguren aus dem Hochaltar zu sichern und die Schäden an Kreuzweg und Kunstschätzen zu dokumentieren. Wie Pressesprecher Johannes Hörnemann auf Anfrage mitteilte, seien weitere Termine mit Fachleuten der Kunstkommission vorgesehen. Experten der Orgelbau-Firma machen sich ein Bild von der Sauer-Orgel, in dessen Mechanik der Täter offenbar mit voller Wucht getreten war und das Instrument damit unbespielbar machte.

 

Über die Höhe aller vorliegenden Schäden können laut Kirchenbehörde noch keine Angaben gemacht werden. Ein Versicherungsschutz sei gegeben und ein Vertreter des zuständigen Unternehmens habe ebenfalls eine Begutachtung vorgenommen.

 

Aufgabenverteilung: Seelsorgerin Hedwig Sänger (Zweite von rechts) im Gespräch mit Bernd Gründing, Josef Averbeck und Dr. Annette Gründing (von links).
Aufgabenverteilung: Seelsorgerin Hedwig Sänger (Zweite von rechts) im Gespräch mit Bernd Gründing, Josef Averbeck und Dr. Annette Gründing (von links).

Zwar nehmen Angriffe auf Kirchen bundesweit zu und die Hemmschwellen sinken. Im Offizialatsbezirk ist eine Verwüstung in dieser Form bisher jedoch beispiellos. Diebstähle und mutwillige Zerstörungen in kleinerem Umfang würden in Gotteshäusern „ab und an“ registriert. „In einer Kirche sind kürzlich einige Gebetbücher angesteckt worden“, so Hörnemann. Ein größerer Schaden sei aber auch hier ausgeblieben.

 

Zu kurzfristigen Reparaturen zählt in St. Marien die Instandsetzung der gewaltsam außer Betrieb gesetzten Mikrofonanlage. Da die Orgel längerfristig nicht funktioniert, soll eine Übergangslösung mit einem alternativen Instrument organisiert werden. Das Finale des Orgelfestivals „Mächtige Klänge“ muss nicht ausfallen und wird am Sonntag, 28. Juni, ab 18 Uhr in der St. Cäcilia Kirche in Bösel stattfinden.

 
 
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