Nagelsmanns Rücktritt: Die Kunst, sich selbst ins Abseits zu stellen
- Julius Höffmann

- vor 13 Stunden
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FRITZ-Kolumne am Sonntag
Von Julius Höffmann

Da war sie also, die Nachricht vom angeblich freiwilligen Rücktritt des Bundestrainers. "Freiwillig" ist nicht nur im Fußball ein wunderbares Wort. Nach dem enttäuschenden WM-Aus war die Trennung wohl unausweichlich. Dass sie nun als Rücktritt verkauft wird, wahrt das Gesicht aller Beteiligten. Der DFB muss keinen Bundestrainer entlassen – und Julian Nagelsmann kann behaupten, er sei gegangen. Eine klassische Win-win-Situation. Nur eben ohne Sieger.
Dabei wäre es zu billig, den Trainer allein zum Sündenbock zu machen. Die Spieler auf dem Platz haben ihren Anteil am Scheitern mit bemerkenswerter Konsequenz beigesteuert. Fehlpässe, ideenlose Auftritte und eine Körpersprache, die streckenweise wirkte, als sei das Achtelfinale bereits der größtmögliche Erfolg gewesen.
Trotzdem hat Nagelsmann gerade abseits des Rasens entscheidend an seiner Demontage mitgewirkt. Der Umgang mit Medien verlangt Fingerspitzengefühl, Gelassenheit und gelegentlich die Fähigkeit, auch unbequeme Fragen auszuhalten, ohne gleich den Eindruck zu erwecken, der Fragesteller habe gerade den Elfmeterpunkt umgepflügt.
Nun also soll Jürgen Klopp übernehmen. Der Mann, der aus Leidenschaft eine Marke gemacht hat und aus Optimismus bisweilen eine Spielphilosophie. Kann er das richten? Vielleicht. Wahrscheinlich sogar besser als viele andere.
Nur: Klopp hätte in diesem Fall erstaunlich wenig zu gewinnen und erstaunlich viel zu verlieren. Wer als Feuerwehrmann zu einem Haus gerufen wird, das bereits bis zum Dachstuhl brennt, sollte sich vorher gut überlegen, ob der Schlauch lang genug ist. Reputation ist schließlich kein Pokal, den man jedes Jahr neu gewinnen kann.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Niederlagen im Fußball selten das Werk eines Einzelnen sind. Spieler, Trainer und Funktionäre tragen ihren Teil dazu bei. Doch wer glaubt, Kommunikation sei eine Nebensache, spielt irgendwann nicht nur gegen den Gegner, sondern auch gegen sich selbst.
Und so verlässt wieder einer die Bühne mit dem Etikett "freiwillig". Im Fußball glaubt man eben an vieles. An den Videobeweis. An die nächste Saison. Und manchmal sogar an Pressemitteilungen.



