Sonntags-Kolumne: Badekappe statt Stall
- Julius Höffmann

- 4. Jan.
- 1 Min. Lesezeit

Sonntage sind normalerweise entspannt. Man schlürft Kaffee, schaut in die Zeitung und denkt: „Endlich mal ein freier Tag.“ Nicht so bei Timmy. Timmy ist acht, hat zwei Kaninchen – Möhre und Hoppel – und nimmt seine Aufgabe als Kaninchen-Pflegeprofi sehr ernst. Streicheleinheiten? Check. Bestes Futter? Check. Tägliche Außenpatrouillen auf dem heimischen Rasen? Doppel-Check.
Die beiden Kaninchen leben wie kleine royale Mitbewohner: Ihr Pelz glänzt, die Ohren stehen auf Empfang, und Timmy schwört, dass sie ihn heimlich anlachen, wenn er nicht hinschaut. Alles könnte also idyllischer kaum sein, bis zu diesem einen Sommertag, der alles verändern sollte.
Timmy bekam von seiner Familie eine besondere Mission. Etwas, das er sonst nie durfte: den Gartenschlauch bedienen. Ja, richtig gehört. Der Gartenschlauch! Sogar mit ein paar Euro Belohnung für die Verantwortung – und die mögliche Gefahr, nass zu werden. Timmy war Feuer und Flamme, stapfte hinaus, drehte das Ventil auf, und machte sich an die Arbeit, während Möhre und Hoppel ihm neugierig vom Kaninchenstall aus zusahen. Er ließ seine pelzigen Majestäten kaum aus dem Auge, denn er spürte ein gewisses Unbehagen. Er wusste, wie sehr seine Familie einen leckeren Sonntagsbraten liebte.
Doch für einen Moment mag er wohl nicht konzentriert genug gewesen sein. Denn als Timmy nach seiner heroischen Schlauchaktion zurückkam, war der Kaninchenstall… leer. Keine Möhre, kein Hoppel. Nur ein Haufen Stroh. Timmy starrte. Die Familie starrte - zumindest scheinbar. Sogar die Gartenzwerge schienen verwirrt.
Und dann entdeckte er es: Eine kleine Karte lag mitten im Stroh. Daneben lag das Fell der beiden. Auf dem Zettel stand in krakeliger Kinderschrift: "Sind schwimmen.“ Ach sooo.



