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St. Michaelis-Kirche in Friesoythe: Einweihung vor 75 Jahren

Autorenbild: Martin Pille
Martin Pille
vor 18 Stunden
2 Min. Lesezeit
Noch heute eine würdige Stätte: Die St. Michaelis-Kirche in Friesoythe. Foto: pi
Noch heute eine würdige Stätte: Die St. Michaelis-Kirche in Friesoythe. Foto: pi

Friesoythe. Am 16. Dezember 1951 hat sich der evangelische Pfarrer Rudi Meyer mit seinen Gläubigen um 14 Uhr in der Stadthalle am Hansaplatz in Friesoythe versammelt. Hier waren in der letzten Zeit die Gottesdienste der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde abgehalten worden. An dem Tag feierten die Gläubigen hier ein letztes Mal.

Es kommt ein hoher Gast: Prof. Dr. Ernst Wilhelm Stählin, Bischof der Evangelisch-Lutherische Kirche zu Oldenburg und Vorsitzender des Oberkirchenrats trifft ein, und im feierlichen Zuge geht es dann zum Grünen Hof, um dort die neue Kirche einzuweihen. Man umschreitet dort das Kirchengebäude, und mit der Übergabe des Schlüssels wird die Inbesitznahme charakterisiert. Es folgt der erste Gottesdienst und die Festpredigt des Landesbischofs, die wegen Überfüllung des Kirchenraumes viele auf dem benachbarten Schulplatz über den Lautsprecher verfolgen.


Die evangelische Kirche, die kanadische Truppen 1945 niederbrannten
Die evangelische Kirche, die kanadische Truppen 1945 niederbrannten

Stählins Hauptaufgabe seit 1945 war zunächst die Integrierung der vielen Flüchtlinge, die in den bisher fast rein katholischen Kreis Cloppenburg gekommen waren. Bis zum Ende des 19 Jahrhunderts wohnten nur wenige evangelische Christen in Friesoythe. 1912 baute man auf dem Grundstück der evangelischen Schule eine erste Kapelle, die allerdings noch ohne eigene pastorale Seelsorge blieb, aber von Edewecht und Elisabethfehn versorgt wurde. 1919 lebten in Friesoythe immerhin etwa 165 Protestanten. Erst 1934 kam Rudi Meyer zunächst als Hilfsprediger ein Geistlicher nach Friesoythe. Er blieb es bis 1957.

Eine dunkle Stunde erlebte das Gotteshaus und die Gläubigen am 15. April 1945, als kanadische Truppen durch die Stadt zogen. Beim Beschuss der Stadt wurde das Gotteshaus beschädigt und am nächsten Tag von offenbar angetrunkenen kanadischen Soldaten angezündet. Pfarrer Meyer rettete nur die Bibel und flüchtet mit seiner Familie nach Altenoythe. Lediglich die Glocke und Abendmahlsgeräte bleiben in der völlig niedergebrannten Kirche erhalten.


Die Notbaracke brannte nach zwei Jahren ab
Die Notbaracke brannte nach zwei Jahren ab

Als die Flüchtlinge und Vertriebenen kamen, stieg die Zahl der Gläubigen schnell auf über 4000 an. Ein Jahr nach Kriegsende schenkte das Ökumenische Hilfswerk der Kirchen in Genf den Friesoythern eine Holzbaracke. Am 14. November 1946 weihte sie Oberkirchenrat Heinz Kloppenburg als Gottesdienstraum ein. Am 19. Dezember 1948 brannte diese Notkirche vollständig ab. Gerettet wurde lediglich ein Harmonium und der Altar mit einigen Leuchtern. Und –erneut- die Bibel. Vormittags hatte der Pastor dort noch den Sonntagsgottesdienst zum Vierten Advent gefeiert. Brandursache war möglicherweise ein Ofen, der morgens angeheizt worden war.

Ersatzraum war nun der Tanzsaal des Gastwirts Koldehoff am Hansaplatz und später die Turnhalle. Ab 1949 baute die Kirche zunächst das Pfarrhaus wieder auf, danach begannen die Gläubigen mit dem Kirchengebäude unter der Leitung des Kirchenältesten und späteren Stadtbaumeister Harm Zimmermann. Das neue Kirchenschiff wurde um über fünf Meter länger auf 17 Meter verlängert, der Turm erreichte eine Höhe von 14 Metern. Kurz vor Weihnachten 1951 war es soweit. Das Werk war vollbracht, und auch nach 75 Jahren stellt sich die St. Michaelis-Kirche heute noch als eine würdige Stätte für den Dienst zur Ehre Gottes dar.

 
 
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