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Um Verstand wir herzlich flehn...

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • vor 4 Tagen
  • 1 Min. Lesezeit

Die FRITZ-Kolumne am Sonntag


Von Julius Höffmann


Symbolbild: Adobe Stock
Symbolbild: Adobe Stock

Pfingsten ist bekanntlich das Fest des Heiligen Geistes. Also jener göttlichen Kraft, die Menschen plötzlich verständig, friedfertig und sprachfähig macht. Ein Vorgang, der heute stellenweise fast schon als übernatürlich gelten darf.

Im Pfingstlied "Heilger Geist o Tröster mein" heißt es: „Um Verstand wir herzlich flehn…“ Ein bemerkenswert zeitloser Satz. Denn je länger man Nachrichten schaut, Debatten verfolgt oder sich durch soziale Netzwerke bewegt, desto mehr gewinnt man den Eindruck: Diese Bitte sollte dringend mit Lautsprecherwagen gen Himmel geschrien werden.

Dabei hätte Pfingsten eigentlich beste Voraussetzungen, ein Lieblingsfeiertag zu sein. Weihnachten erstickt zuverlässig im Geschenkpapier, Ostern verlangt theologisches Feingefühl — aber Pfingsten? Pfingsten kommt angenehm rätselhaft daher. Viele wissen ungefähr, dass es irgendwie um den Heiligen Geist geht, manche vermuten zusätzlich Tauben, Feuerzungen oder verlängerte Wochenenden.

Und während die Kirche um himmlische Weisheit bittet, hat Heinz Erhardt die menschliche Realität einst deutlich präziser zusammengefasst:


„Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzen lässt?
Das war noch nichts: zu Ostern jetzt,
hat sie mich abermals versetzt.
Jetzt freu ich mich auf Pfingsten —nicht im geringsten!!!“

Es gibt Verse, die altern nicht. Dieser gehört dazu. Denn irgendwo zwischen göttlicher Eingebung, menschlicher Hoffnung und romantischer Dauerschleife liegt vermutlich der wahre Kern von Pfingsten. Und vielleicht ist genau das der Geist, den wir heute am nötigsten brauchen: etwas mehr Verstand — und dringend mehr Humor.

 
 
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