Vapes im Visier: Altenoyther Schule setzt auf Aufklärung statt Verbote


Altenoythe. Ein kleiner Strohhalm, ein paar Atemzüge – und plötzlich wird das Atmen zur Herausforderung. Was zunächst wie ein harmloses Experiment wirkt, sorgte bei den Schülerinnen und Schülern der Heinrich von Oytha Schule für nachdenkliche Gesichter und überraschende Erkenntnisse. Mit einer dreitägigen Präventionsaktion rückte die Schule die gesundheitlichen Risiken von Vapes in den Fokus – und traf damit einen Nerv.
Wenn jeder Atemzug schwerfällt
„Ich krieg kaum noch Luft“, stellte eine Schülerin bereits nach wenigen Sekunden fest. Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler nickten zustimmend. Der Grund: Chemielehrer Hennes Alberding ließ die Jugendlichen zunächst durch einen normalen und anschließend durch einen deutlich schmaleren Strohhalm ein- und ausatmen. Die Wirkung war unmittelbar spürbar.
Mit dem Versuch wollte er verdeutlichen, welche Folgen das Inhalieren von Schadstoffen für die Lunge haben kann. „Die Giftstoffe können sich an den empfindlichen Lungenbläschen ablagern. Dadurch wird die Sauerstoffaufnahme erschwert, und langfristig können weitere Erkrankungen entstehen“, erklärte der Lehrer den Jugendlichen. Die schockierten Blicke im Klassenraum zeigten: Die Botschaft kam an.

Zwischen süßem Duft und echten Gefahren
Viele der Schülerinnen und Schüler hatten Vapes bislang als vergleichsweise harmlos eingeschätzt. Bunte Farben, süßliche Düfte und modernes Design vermitteln oft den Eindruck eines ungefährlichen Produkts. Einige Jugendliche berichteten, selbst bereits Kontakt mit den Geräten gehabt zu haben oder sich Sorgen um Familienmitglieder zu machen, die regelmäßig dampfen. Über die möglichen gesundheitlichen Folgen seien sich viele zuvor jedoch nicht bewusst gewesen.
Sieben Stationen gegen falsche Vorstellungen
Die Atemübung war Teil eines umfangreichen Präventionsprojekts, das an drei Schultagen mit allen sechsten Klassen durchgeführt wurde. An insgesamt sieben Stationen setzten sich die Schülerinnen und Schüler sowohl wissenschaftlich als auch sozialpädagogisch mit dem Thema auseinander. Unterstützt wurden sie dabei von Physiklehrer Morten Wiesner und Sozialpädagogin Ricarda Meyer. Neben den gesundheitlichen Auswirkungen standen auch die Strategien der Werbeindustrie im Mittelpunkt. Die Jugendlichen analysierten, wie Hersteller mit auffälligen Farben, trendigem Design und gezielter Ansprache insbesondere junge Menschen ansprechen. Ziel war es, einen kritischen Blick auf die vermeintlich harmlose Lifestyle-Welt der Vapes zu entwickeln.
Nutzung bereits ab der fünften Klasse sichtbar
Dass die Schule aktiv geworden ist, hat einen konkreten Hintergrund. „Die Nutzung von Vapes wird bereits ab der fünften Klasse immer sichtbarer“, berichtet die Sozialpädagogin. Diese Entwicklung habe die Schulleitung alarmiert. Rektor Rasmus Braun initiierte deshalb die Präventionsmaßnahmen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, Schülerinnen und Schüler zu verurteilen. „Unsere Arbeit hat keinen Bewertungscharakter“, betont Chemielehrer Alberding. Offene Gespräche und persönliche Erfahrungen würden vertraulich behandelt. Die Jugendlichen sollten sich ohne Angst vor Konsequenzen mit ihren Fragen und Unsicherheiten auseinandersetzen können.
Illegale Produkte auf dem Schulhof
Besonders besorgniserregend sei die Herkunft vieler Geräte. Nach Angaben von Rektor Braun gelangen die meisten Vapes auf illegalem Weg in die Hände der Jugendlichen. „Rund 95 Prozent der eingesammelten Vapes sind nach unseren Erkenntnissen illegal“, erklärt er. Häufig würden sie über das Internet bestellt. Legale Vapes seien erst ab 18 Jahren erlaubt und unter anderem an einer Zollplakette erkennbar. Selbst der Handel unter Schülerinnen und Schülern auf dem Schulhof sei mittlerweile ein Thema.

Aufklärung statt erhobener Zeigefinger
Mit ihrem Präventionsprojekt setzt die Heinrich von Oytha Schule ein deutliches Zeichen. Statt auf Verbote und Vorwürfe setzt die Schule auf Aufklärung, eigene Erfahrungen und wissenschaftliche Informationen. Die Reaktionen der Jugendlichen zeigen, dass schon ein einfacher Versuch ausreichen kann, um die Risiken hinter den bunten Einweggeräten greifbar zu machen.



