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Vom Muckibuden-Mief zum Gym-Glamour

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

   Die Sonntags-Kolumne


Von Julius Höffmann


Symbolbild: Adobe Stock
Symbolbild: Adobe Stock

Als das Fitnessstudio noch ehrlich schwitzte

Früher hieß es einfach Fitnessstudio. Oder, etwas liebevoller und deutlich ehrlicher: Muckibude.Dort trafen sich Mann und Frau an Geräten aus Stahl. Die Klamotten waren eng, die Farben grell, der Schweiß echt. Wer nicht draußen laufen wollte – frische Luft war ohnehin überbewertet – quälte sich auf dem Laufband. Alternativ auf dem Crosstrainer. Oder auf dem Stepper, für all jene, die zu Hause keine Treppe hatten. Rudern konnte man auch. Warum auch immer.


Man geht ins Gym

Das alles gibt es heute immer noch. Aber es heißt anders. Man geht nicht mehr ins Fitnessstudio. Man geht ins Gym. Zack. Zwei Silben weniger. Dafür zehn Prozent cooler. Plötzlich ist die identische Handlung – Gewichte hoch, Gewichte runter – ein Lifestyle-Statement. Sprache kann das. Sie nimmt etwas Altbekanntes, zieht ihm ein englisches Shirt an und behauptet: neu!


EGYM statt Trimm-dich-Pfad

Man macht heute auch kein Zirkeltraining mehr. Und schon gar keine Kniebeugen an Stationen auf dem Trimm-dich-Pfad (Gott hab ihn selig).Heute macht man EGYM. Krafttraining mit digitalen Tools. Früher zählte man Wiederholungen, heute zählt ein Bildschirm mit. Und wenn der Bildschirm zufrieden ist, ist man es auch.


Old School trifft Neuschöpfung

Ich gehöre ja nachweislich zu den Old-School-Vertretern. Allein deshalb hatte ich mit „Gym“ lange meine Probleme. Woher kommt das eigentlich? Von Gymnastik? Wohl kaum. Das klingt ja noch verstaubter als Fitnesscenter und riecht gedanklich nach Holzsprossenwand und Turnbeutel. Nein, Englisch ist vermutlich cooler. Und kürzer. Und knackiger. So wie wir alle sein wollen. Oder werden. Irgendwann. Vielleicht.


Von der Disco in den Club

Man geht ja auch nicht mehr in die Disco, sondern in den Club. Wobei: Früher hatte das Wort „Club“ eine ganz andere Bedeutung. Skatclub zum Beispiel. Da ging es nicht um Bass, sondern um Bockrunden. Auch schweißtreibend, aber auf andere Weise.


Meeting, Sneaker und Coffee to go

Sprache entwickelt sich. Unaufhaltsam.Wir haben keine Besprechung mehr, sondern ein Meeting. Wir tragen keine Turnschuhe, sondern Sneaker. Kollegen heißen Team. Kaffee heißt Coffee to go. Die Zwischenmahlzeit ist ein Snack. Nachrichten sind Messages. Der Trainer ist der Coach. Wir daten uns, statt uns zu verabreden, und entspannen beim Chillen – am besten im Freundeskreis, pardon: in der Community.

Modern soll’s sein. Ob's schöner ist? Weiß ich nicht.


Zurück in die Zukunft

Ich für meinen Teil gehe bald wieder ins Fitnessstudio. Ich trainiere am EGYM. Und anschließend treffe ich mich mit meinem Skatclub. Dort kann ich reizen.

Man kann ja nicht alles modernisieren.

 
 
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