Vor 40 Jahren: Friesoythe im Visier des DDR-Fernsehens
- Claudia Wimberg

- vor 13 Minuten
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Friesoythe. Mit dem Werbeschild „Friesoythe – Stadt mit Herz und nette Leute“ beginnt vor 40 Jahren ein Fernsehbericht über Friesoythe. Doch von Herzlichkeit war der Beitrag der „Aktuelle Kamera“ als Nachrichtensendung des staatlich gelenkten DDR-Fernsehens erwartungsgemäß nicht geprägt.
In 1:35 Minuten zeichnete die Dokumentation vom 19. Januar 1986 vielmehr ein düsteres Bild von der niedersächsischen Kleinstadt, „für die man offensichtlich kein Herz hat“, wie der Sprecher betonte. Thema: die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit. Die war zwar keine Erfindung, doch dass die Ausstrahlung eher Propagandazwecken und der Feindbildpflege diente, wird schnell deutlich.
Die Journalisten besuchten das Arbeitsamt an der Barßeler Straße und der frühere Leiter Bernd-Fred Heyne lieferte ihnen Zahlen: Im Dezember 1985 lag die Arbeitslosenquote bei 32,5 Prozent, im Jahresdurchschnitt 1985 bei 29,6 Prozent. Für den folgenden Monat hielt Heyne sogar einen Negativrekord von rund 40 Prozent für möglich.
Im Anschluss fährt die Kamera an diesem grauen Wintertag durch die Stadt. Von der Mühlenstraße fällt der Blick über die Kreuzung in Richtung Lange Straße. Die Macher konzentrieren sich dabei offensichtlich auf Schäden, wie ramponierte Dachfenster sowie unattraktive Gebäude. Die Botschaft: Hier herrschen Tristesse, Hoffnungslosigkeit und Geldmangel. Deshalb darf die Spar- und Darlehenskasse nicht fehlen. Der Zuschauer erfährt, dass eine Mitarbeiterin des Kreditinstituts „vertraulich“ von leer geräumten Konten und gleichzeitig hohen Kreditwünschen berichtet haben soll. Beim Amtsgericht stünden Zwangsversteigerungen auf der Tagesordnung und im Einzelhandel sinke der Umsatz. Jugendliche fielen durch ABM-Maßnahmen kurzzeitig aus der Statistik, meldeten sich aber danach ebenso arbeitslos wie junge Frauen und Männer nach ihrer Lehre. Unterm Strich also keine blühenden Landschaften beim Klassenfeind.
Für Bernd-Fred Heyne war es damals übrigens eines von vielen Interviews. Das mediale Interesse für das viel zitierte „Armenhaus der Nation“ war bundesweit groß, „und es gab seitens der Presse etliche Anfragen“, erinnert sich der heute 80-Jährige, der in Bassum lebt.
Auch das DDR-Fernsehen kündigte sich bei ihm telefonisch an. Verstanden hatte Heyne allerdings WDR-Fernsehen, „bis ich dann bei der Vorstellung im Büro feststellte, dass ich mich wohl verhört haben musste, was ich aber auch nicht ganz so schlimm fand“, sagt Heyne. Dass die Berichterstattung die Vorgaben des SED-Staates erfüllte, „war natürlich eindeutig“, so Heyne. Unbestritten, dass die Arbeitslosigkeit hoch war, aber so schaurig und aussichtslos, wie bewusst dargestellt, „war Friesoythe auch zu dieser Zeit sicher nicht.“
Info: Der Friesoyther Heimatverein ist im Besitz des Beitrages und wird ihn in einer seiner nächsten Veranstaltungen zeigen. -cl


