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Wenn ein geliebter Mensch psychisch erkrankt: Angehörige finden Halt in Friesoythe

Autorenbild: Claudia Wimberg
Claudia Wimberg
vor 5 Stunden
2 Min. Lesezeit
Symbolbild: Adobe Stock
Symbolbild: Adobe Stock

Friesoythe. Es ist 20 Uhr. Vor drei Stunden ist der Ehemann zum ersten Mal an diesem Tag aufgestanden „und hat gefrühstückt“, sagt seine Frau. Keine Ausnahme, sondern mittlerweile die Regel. Mit ihr spricht er wenig, zeigt kaum noch Interesse und hat sein Lachen verloren. Wie gerne möchte sie ihm helfen und wie sehr wünscht sie sich, dass er sich in professionelle Hände begibt, um seine Depression zu bekämpfen.„Er ist nicht mehr wiederzuerkennen“, erzählt sie und ihre Zuhörerinnen und Zuhörerwissen genau, was sie meint und wie sie sich fühlt.

Die Depression verändert das ganze Leben

In Friesoythe haben sie sich zusammengesetzt und die im Stadtgebiet erste Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen ins Leben gerufen. Als sogenannter „In-Gang-Setzer“unterstützt Wilfried Witting die Gründungsphase. Der Friesoyther ist ehrenamtlicher MitarbeiterderVHS-Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen im Landkreis Cloppenburg und Leiter einer Sucht-Selbsthilfegruppe. „In-Gang-Setzer“ schaffen Struktur und Orientierung, machen Mut und sorgen dafür, dass Menschen ins Gespräch kommen.

Ein geschützter Raum für Sorgen, Ängste und Hoffnung

Noch ist es eine sehr kleine Gruppe, "und es wäre schön, wenn wir weitere Frauen und Männer begrüßen könnten. Der Bedarf ist ganz sicher gegeben“, zeigen sich die Angehörigen überzeugt und möchten Betroffene motivieren, in ihren geschützten Raum zu kommen, um zu reden, zu lachen, zu weinen oder auch zu fluchen. Dort werden sie verstanden, müssen nicht stark sein und keine Lösungen haben. Und dort gehtes auch um die Frage: Wie kann ich für meinen Angehörigen da sein, ohne selbst daran zu zerbrechen?

Nicht allein bleiben und auch auf sich selbst achten

„Wer es nicht selbst erlebt, kann es kaum verstehen“, sagt das Ehepaar, dessen Tochter im jungen Erwachsenenalter unter Depressionen leidet und seit vielen Jahren etliche Klinikaufenthalte kennt. Gerade ist sie ausgezogen, aber natürlich bleiben die Ängste. „Was macht sie? Wo ist sie? Nimmt sie ihre Medikamente“, berichten die Eltern von Lichtblicken, Rückschlägen und einer ungewissen Zukunft.

„Es betrifft immer die gesamte Familie“, sagt eine Mutter, deren Sohn jegliche therapeutische Hilfe ablehnt.„War alles falsch, was ich gemacht habe“, fragt sie sich, aber gibt die Hoffnung nicht auf und möchte auch etwas für sich tun. „Deshalb bin ich hier in dieser Gruppe“, erklärt sie nachdrücklichund dankt für Verständnis und neue Impulse.


Info: Zu den alle drei Wochen mittwochs stattfindenden Gesprächsabenden eingeladen sind Eltern,Partnerinnen und Partner, erwachsene Kinder und Geschwister, Freunde oder nahestehendeMenschen.Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 11. November, ab 19 Uhr in der Kontakt- und Begegnungsstätte„Salon Werner“ an der Wasserstraße 26 statt.

 
 
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