Wo Generationen Schuhe kauften: Greten schließt nach 104 Jahren
- Claudia Wimberg

- vor 6 Tagen
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Markhausen. Sortierte sie orange- oder pinkfarbene Schuhe in die Regale ein, zeigte sich ihr Vater zunächst überrascht. „Kannst du dat wohl verkopen?“ fragte der Senior dann seine Tochter. „Ja, Papa, dat kann ick“, antwortete sie lächelnd und brauchte ihre Wahl nicht weiter zu diskutieren. „Dat glöw ich uck“, zeigte sich auch Bernhard Greten überzeugt, der stets vollstes Vertrauen hatte „und mich ebenso wie meine Mutter immer machen ließ“, erinnert sich Irmgard Greten dankbar an ihre Eltern zurück.
Ihre Entscheidung, nun den Schlüssel des familieneigenen Schuhhauses in Markhausen herumzudrehen und nach 104 Jahren eine Ära zu beenden, hätten beide vermutlich ohne Zögern mitgetragen und Tochter wie Schwiegersohn einen harmonischen Ruhestand gewünscht.
Moderner Auftritt
Gesundheitliche Gründe sind für die Schließung ausschlaggebend. Dass es keine wirtschaftlichen sind, bereitet der Inhaberin bei aller Wehmut auch ein gutes Gefühl. „Der Online-Handel ist eine starke Konkurrenz, aber wir konnten uns dagegen in all der Zeit immer ganz gut behaupten“, freut sich die 63-Jährige, die vor 38 Jahren das Geschäft übernahm, Schuhe namhafter Marken für alle Generationen anbietet und Qualität mit einem modernen Auftritt verbindet. Ehemann Martin managt das Büro und begleitet seine Frau auf Messen in Hamburg, Hannover und Düsseldorf.

Auch Passendes für Problemfüße
„30 Quadratmeter, einfache Regale weiß angestrichen, blauer Teppich und wenig Geld“, erinnert er schmunzelnd an die Anfänge. Reich war das Paar jedoch an Ideen und Tatendrang und das sollte sich auszahlen. Insgesamt sechsmal wurde am Standort umgebaut und der Laden auf heute 300 Quadratmeter erweitert. Das immer größer werdende Angebot sprach sich schnell herum und ebenso die Tatsache, dass Irmgard Greten auch für Sportfans und „Problemfüße“ etwas Passendes parat hatte sowie bei Kindern vor dem Verkauf verlässlich Maß nahm. Sie ist mit Leidenschaft Geschäftsfrau und als der Vater sie fragte, ob sie nicht seine Nachfolge antreten wolle, musste die ausgebildete Drogistin nicht lange überlegen, die an freien Tagen oder im Urlaub immer schon mitgeholfen hatte.
Aus Nichts etwas gemacht
1988 wechselte sie dann in den eigenen Betrieb, den Großvater Hermann Greten 1922 gründete und damals Arbeits- und Holzschuhe fertigte. Sohn Bernhard schaute seinem Vater gerne über die Schulter, bevor er eine Ausbildung in Cloppenburg absolvierte. Der Schuhmachermeister übernahm mit Ehefrau Agnes 1953 Werkstatt und Laden, erweiterte sie, reparierte auch für die Schuhgeschäfte in der Umgebung „und konnte aus Nichts noch etwas machen“, erzählt seine Tochter bewundernd, die mit drei Brüdern aufwuchs. Mit 65 Jahren vollzog Greten die offizielle Übergabe, blieb im Hintergrund aktiv und konnte bis zu seinem Tod 2012 stolz verfolgen, dass sein Lebenswerk erfolgreich weitergeführt wurde.
Räumungsverkauf ab Montag
Für seine Jüngste eine Herzensangelegenheit und ihren besonderen Dank richtet sie an ihre treue Kundschaft sowie ihre Mitarbeiterinnnen Julia Grever, Heike Cloppenburg und Anna Vikulova, die bei der Gestaltung des Finales wertvolle Unterstützung leisten.
Und wie gestalten Irmgard und Marin Greten ihren Ruhestand? „Der Blick auf die Uhr fällt auf jeden Fall weg“, kommentiert der Ehemann lächelnd. Mehr Zeit bleibt den zweifachen Eltern und Großeltern für ihre Familie und eine Reise ins italienische Meran werden sie vermutlich erneut unternehmen. Detaillierte Pläne gibt es jedoch nicht und zunächst setzt das Paar seine Energie ohnehin in den Räumungsverkauf. Und der will ebenso professionell organisiert sein, wie das Geschäft in all den Jahrzehnten zuvor. Schließlich sollen die Kunden auch mit ihren letzten bei Greten gekauften Schuhen gut zu Fuß sein.
Info: Der Räumungsverkauf im Schuhhaus Greten findet ab Montag, 12. Januar, statt und wird voraussichtlich bis ins Frühjahr hinein laufen.



