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309 Menschen erhielten 2026 die deutsche Staatsbürgerschaft

  • Autorenbild: Fritz-Redaktion
    Fritz-Redaktion
  • vor 6 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Bei einer feierlichen Zeremonie wurde allen zur Einbürgerung gratuliert. Foto: Landkreis
Bei einer feierlichen Zeremonie wurde allen zur Einbürgerung gratuliert. Foto: Landkreis

Landkreis Cloppenburg. Der Große Sitzungssaal des Kreishauses Cloppenburg war Schauplatz eines besonderen Ereignisses: Zur jährlichen Einbürgerungsfeier begrüßte Landrat Johann Wimberg zahlreiche neue deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger gemeinsam mit ihren Familien und Freunden. Die Atmosphäre war geprägt von Herzlichkeit, Freude und Dankbarkeit – für viele Gäste glich der Abend einem großen Familienfest, heißt es in einer Pressemitteilung de Landkreises.

Zwar erhalten Personen nach erfolgreicher Einbürgerung ihre Unterlagen grundsätzlich unmittelbar nach Abschluss des Verfahrens, einmal im Jahr lädt der Landkreis jedoch zu einer offiziellen Feierstunde ein, um die Bedeutung dieses Schrittes besonders zu würdigen.


309 Einbürgerungen bis Mai

Allein bis Ende Mai 2026 haben im Landkreis Cloppenburg bereits 309 Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Weitere 208 Anträge wurden in diesem Jahr bislang gestellt. In seiner Begrüßung machte Landrat Wimberg deutlich, dass die Einbürgerung weit mehr sei als ein formaler Verwaltungsakt. „Auf dem Papier ist es nur ein behördlicher Vorgang – aber das ist eine standesamtliche Eheschließung auch“, sagte der Landrat. Beides dürfe angemessen gefeiert werden.

Zugleich würdigte er die Leistungen der Neubürgerinnen und Neubürger. Für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft seien zahlreiche Anforderungen zu erfüllen, darunter das Erlernen der deutschen Sprache, das Bestehen von Prüfungen und die Bewältigung umfangreicher Verwaltungsverfahren. Anforderungen, die Menschen, die in Deutschland geboren wurden, in dieser Form nie erfüllen mussten.

Die deutsche Staatsbürgerschaft bedeute das Recht auf politische Mitbestimmung, die Sicherheit eines starken Sozialsystems und Freizügigkeit innerhalb Europas. Gleichzeitig gehe sie mit der Verantwortung einher, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. „Ich wünsche mir, dass Sie hier ankommen, nicht nur mit dem Pass, sondern mit dem Herzen. Und ich hoffe, dass auch wir als Gemeinschaft dafür sorgen, dass Sie sich willkommen fühlen – jeden Tag, nicht nur heute“, sagte Wimberg.


„Was ist eigentlich typisch deutsch?“

Als Festredner sprach Pfarrer und Privatdozent Dr. Marc Röbel, Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld, über die Frage, was Deutschland und insbesondere die Region auszeichne. Mit einem Augenzwinkern widmete er sich zunächst dem norddeutschen Gruß „Moin“, der im Oldenburger Münsterland zu jeder Tageszeit verwendet werde. Drei weitere Sätze seien ebenfalls hilfreich für den Alltag: „Da nich für!“, „Das läuft!“ und „Noch eins?“.

Hinter den humorvollen Beispielen stand jedoch eine ernsthafte Botschaft. Röbel betonte, Nationalismus sei nicht typisch deutsch, sondern vielmehr Ausdruck von Ausgrenzung und Abschottung. Als Beispiel verwies er auf den sogenannten Cloppenburger Kreuzkampf von 1936. Damals protestierten mehr als 10.000 Menschen vor der Münsterlandhalle gegen die Entfernung von Schulkreuzen durch die Nationalsozialisten.

Nach Ansicht Röbels verteidigten die Menschen damals nicht allein religiöse Symbole, sondern grundlegende Werte wie Menschlichkeit, Gewissensfreiheit und den Widerstand gegen Ausgrenzung. Auf diesem Fundament sei das moderne Deutschland aufgebaut worden. „Wenn Sie mich fragen, was typisch deutsch ist, dann würde ich antworten: Dass wir aus unserer Geschichte gelernt haben“, sagte Röbel.


Videobotschaft des Bundespräsidenten

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wandte sich per Videobotschaft an die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Darin betonte er die Bedeutung von Vielfalt, Beteiligung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. „Können, Wissen und Ideen sollten eingebracht werden. Das Band unseres Miteinanders wird stärker, wo unterschiedliche Menschen ins Gespräch kommen. Sie willkommen zu heißen ist ein Anlass zur Freude für unser ganzes Land“, erklärte Steinmeier.


Festlicher Ausklang

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Blechbläserensemble der Kreismusikschule Cloppenburg unter der Leitung von Jan-Erik Bredehorst. Zum Abschluss der offiziellen Feier sangen die Gäste gemeinsam die Nationalhymne. Beim anschließenden Imbiss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und zum Kennenlernen. In lockerer Atmosphäre klang ein Abend aus, der für viele Neubürgerinnen und Neubürger den Beginn eines neuen Kapitels markierte – und bei dem die oft gehörte Frage „Noch eins?“ sinnbildlich für Offenheit, Gemeinschaft und gelebte Willkommenskultur stand.

 
 
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