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Schere, Scheitel und Scheidungen

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • vor 3 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Die FRITZ-Kolumne am Sonntag


Von Julius Höffmann


Symbolbild: Adobe Stock
Symbolbild: Adobe Stock

Nein, ich möchte keine Klischees bedienen. Wirklich nicht. Und trotzdem. Manchmal steht ein Klischee so geschniegelt vor einem, dass man es unmöglich ignorieren kann.


Warten mit Donald Duck

So geschehen bei meinem jüngsten Frisörtermin in Friesoythe. Die Chefin persönlich war gerade bei der Arbeit und frisierte eine Kundin. Ich nahm Platz, griff nach einem Donald-Duck-Heft und versank in Entenhausen. Doch selbst Donald Duck hat gegen die Wirklichkeit manchmal keine Chance.


Die Trennung lebt weiter

Die beiden Damen sprachen über eine Trennung. Von wem? Das blieb zunächst unklar. In solchen Gesprächen scheint die Identität der Beteiligten ohnehin zweitrangig zu sein. Die Trennung selbst ist die Hauptfigur. Auf meine vorsichtige Nachfrage folgte die beruhigende Auskunft, die Angelegenheit liege bereits länger zurück. Die Trennung sei also keineswegs aktuell. Dennoch wurde sie mit jener liebevollen Präzision aufgearbeitet, die sonst nur Historiker bei Friedensverträgen oder Fußballfans bei umstrittenen Abseitsentscheidungen an den Tag legen.


Nachrichten aus dem echten Leben

Während Donald Duck versuchte, irgendeiner finanziellen Katastrophe zu entkommen, erhielt ich ganz nebenbei ein umfassendes Update aus dem wirklichen Leben. Wer umgezogen war. Wer gebaut hatte. Wer verkaufen wollte. Wer sich überraschend vermehrt hatte – menschlich wie tierisch. Welche Gerüchte inzwischen bestätigt waren und welche noch in der kommunalen Warteschleife hingen.


Die wahre Pressestelle

Kurz gesagt: Ich kam für einen Haarschnitt und verließ den Salon mit einer gepflegten Frisur sowie einem aktuellen Nachrichtenüberblick. Vielleicht sind Frisörsalons deshalb bis heute konkurrenzlos. Sie schneiden nicht nur Haare. Sie kürzen auch den Abstand zwischen den Menschen. Und während draußen Algorithmen verzweifelt versuchen, herauszufinden, was uns interessiert, genügt drinnen ein einziger freier Stuhl.


Zum Schluss

Nein, ich möchte wirklich keine Klischees bedienen. Aber falls jemand wissen möchte, wo das gesellschaftliche Informationszentrum Friesoythes liegt: Es hat mehrere Frisierstühle, einen Stapel Zeitschriften – und gelegentlich auch Donald Duck in Entenhausen.

 
 
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