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Als die Müllabfuhr noch mit Pferd und Wagen kam

Autorenbild: Martin Pille
Martin Pille
vor 19 Stunden
2 Min. Lesezeit
Müllabfuhr noch vom Pferd gezogen, wahrscheinlich in der Rosenstraße in Friesoythe. Foto: Archiv Pille
Müllabfuhr noch vom Pferd gezogen, wahrscheinlich in der Rosenstraße in Friesoythe. Foto: Archiv Pille

Friesoythe. Wer von den Älteren erinnert sich nicht? Mangels einer regelmäßigen kommunalen Müllabfuhr wurde das, was man nicht irgendwie wiederverwerten konnte, einfach eingebuddelt. Hunderte von kleinen unterirdischen Mülldeponien gibt es heute noch in manch einem Garten in der Region und ihren Bauernschaften. Das Problem scheint der Friesoyther Stadtrat 1951 erkannt zu haben, denn er befasste sich vor 65 Jahren erstmals in einer Sitzung mit diesem Missstand der Selbstentsorgung. Das hatte auch damit zu tun, dass man immer besser verstand, dass Müll und Krankheiten zusammenhängen. Je schlechter die Hygiene und je dreckiger die Umgebung, desto leichter breiten sich ansteckende Krankheiten aus.

Bis dahin landete Brennbares im Ofen oder Herd, Küchen- und Gartenabfälle kamen auf den Misthaufen oder wurden kompostiert, Essensreste verfütterte man an Schweine und Hühner. Stoffreste, Metall oder Glas waren viel zu wertvoll, um einfach weggeworfen zu werden. Wenn etwas kaputtging, wurde es zu etwas Neuem umgearbeitet. Aus Stoffresten entstand ein neues Kleidungsstück, aus Metall schmiedete man Nägel. Alles andere landete in einer Grube in der hintersten Ecke des Hofes oder auch auf dem öffentlichen Schuttabladeplatz an der Thüler Straße, später gab es auch einen an der Sedelsberger Straße.

Das war nicht unbedingt Ausdruck von Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt – es gab schlicht viel weniger Müll und wesentlich weniger Einwegverpackungen. Außerdem wurden die vorhandenen Dinge in der Mangelzeit möglichst vollständig genutzt. Doch die Bevölkerung Friesoythes wuchs rasant, die der Abfälle und des Mülls natürlich in gleichem Maß, mehr Verpackungen,mehr Blechdosen, zunehmend Kunststoffe, mehr Einwegartikel, weniger Wiederverwendung, weniger Verbrennung durch Veränderungen der Heizsysteme. Man musste handeln.

Am 1. Oktober 1954 war es soweit: Die städtische Müllabfuhr wurde eingeführt.  Aber noch nicht mit modernen Pressmüllfahrzeugen und ausgefeilter Mülltrennung. Die Stadt beauftragte Hermann Janßen aus der Moorstraße und Josef Bley aus der Böseler Straße, die jetzt mit Pferd und Anhänger jeden Freitag in zwei gebildete Abfuhrbezirken durch die Wege und Straßen der Stadt und sammelte den Müll ein, den die Bewohner in Behältern an die Straßenränder gestellt hatten. Das war für sie noch freiwillig.  Der „Anschluss- und Benutzungszwang“ kam erst im April 1960. Und es gab dafür extra System-Mülleimer.

Sechs Jahre später hatten auch die Pferde ausgedient, Werner Bornhorst übernahm mit Trecker und Anhänger und entsorgte weitere zwei Jahre später auch Mittelsten Thüle. Die Verantwortung der Stadt dauerte noch bis 1972, dann kamen Bundes- und Landesgesetze zur Abfallbeseitigung heraus. Damit begann die Entwicklung hin zu einer flächendeckenden, einheitlicher organisierten Müllabfuhr auch auf dem Land. Zuständig wurde ein Jahr später der Landkreis Cloppenburg. Die richtete zudem zwei Müllkippen ein: Stapelfeld und Sedelsberg, jetzt aber bereits als technisch abgedichtete Deponie. Die in Friesoythe schloss ihre Tore endgültig.

 
 
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