Attacke auf Kirchenorgel: Experten sprechen von beispiellosem Fall
- Claudia Wimberg

- vor 1 Tag
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Friesoythe. Vandalismus an Kirchenorgeln ist ihm grundsätzlich nicht fremd. „Das hier ist allerdings völlig ungewöhnlich und skurril und so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, reagierte Sachverständiger Thorsten Konigorski, nachdem er sich einen ersten Überblick am mutwillig beschädigten Instrument in der Friesoyther St. Marien Kirche verschafft hat. Gleiches galt für Thomas Heinemann, Geschäftsführer des Orgelbau-Unternehmens „Sauer und Heinemann“, der mit Mitarbeiter Michael Marx zum Ortstermin angereist war. „Das ist tatsächlich speziell und gab es auch bei uns noch nie“, sagte der Experte aus dem westfälischen Höxter.

Im Beisein von Kirchenmusiker Carlos Reigadas, Pfarrer Christoph Winkeler und Kirchenausschussmitglied Gerd Bolten warfen die Fachleute einen prüfenden Blick auf Funktion und Technik und tauchten dafür auch hinter die Kulissen und damit ins begehbare Gehäuse ab. Im Inneren offenbarten sich „mehr Schäden, als man von außen sieht“, betonte Kirchenmusikdirektor Konigorski, der als Gutachter für den gesamten Offizialatsbezirk zuständig ist.
Wie berichtet, steht ein 25-Jähriger aus Friesoythe im Verdacht, in der Nacht zum 22. Juni im gesamten Gebäude randaliert zu haben. Neben Fenstern, technischen Anlagen, Kreuzwegmotiven und Kunstgegenständen verwüstete der mutmaßliche Täter auch den Orgelboden und richtete an der Orgel schwerwiegende Schäden an.Dass Gegenstände in die Pfeifenreihen geworfen werden oder Chaoten sich am Spieltisch zu schaffen machen, „ist schon vorgekommen“, so Heinemann und Konigorski. Beides war in St. Marien jedoch nicht der Fall. Stattdessen wurde die Traktur attackiert, die sich in Form von feinen, hölzernen Latten und Leisten (Abstrakten) verdeckt im Boden befindet. Ein Teil dieser mechanischen Verbindungen ist „von der Tastatur bis zur Windlade zerstört“, informierte Heinemann.

Der gesamte Trakturrahmen des 1. und 2. Manuals müsse nun für die Erneuerung in die Werkstatt gebracht werden. „Das ist schon tricky“, urteilte der Spezialist angesichts eines hohen Aufwandes, der mit dem Ausbau der Konstruktion verbunden sei. Am Einbau der Orgel war sein Unternehmen vor 32 Jahren beteiligt und „natürlich können wir sie wieder herstellen“, versicherte der Unternehmer und sagte den Verantwortlichen der Pfarrei zu, „dieses Projekt dazwischen zu schieben.“ Wenn die Versicherung grünes Licht gibt und der Auftrag erteilt werden kann, nennt der Fachmann einen zeitlichen Rahmen „von einem Vierteljahr“, bis die Königin der Instrumente wieder in der Kirche erklingen kann.
Info: Teile des Gotteshauses sind zurzeit wegen Sanierungsarbeiten an den Fenstern mit einem Baugerüst versehen, über das der 25-Jährige ins Innere gelangte. Aus Sicherheitsgründen aufgerüstet wurde dieser Bereich jetzt durch eine mobile Videoüberwachung mit Lautsprecheranlage.


