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Block im FRITZ-Interview: Uns fehlt ein Drogeriemarkt

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • vor 18 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Interview

Bösel Bürgermeister Hermann Block. Foto: Gemeinde
Bösel Bürgermeister Hermann Block. Foto: Gemeinde

FRITZ: Bösel wächst kontinuierlich, die Bevölkerungszahl nähert sich mittelfristig der 10.000-Einwohner-Marke. Ist die bestehende Infrastruktur für einen weiteren Zuzug ausreichend aufgestellt?

 Block: Wir haben schon jetzt die in der Demografie-Studie des Landkreises (aus 2015) ausgewiesene Einwohnerzahl von 2030 erreicht. Den damit einhergehenden Herausforderungen in verschiedensten Lebensbereichen wie Wirtschaft, Versorgung, Pflege oder Bildungsinfrastruktur trägt die Gemeine Bösel daher verstärkt Rechnung. Jedes Kinder bekommt einen Betreuungsplatz, auch wenn nicht jeder Standortwunsch erfüllt werden; jeder Schüler kann ein offenes Ganztagsschulangebot wahrnehmen. Der Erwerb von Wohnraum ist für Familien mit Kindern aufgrund der hohen Familienförderung von bis zu 21000 Euro äußerst attraktiv. Freizeitangebote werden vorwiegend durch die Vereine und Gruppe, aber auch durch Kirche und Gemeinde vorgehalten. Als Einkaufsstandort fehlt uns in der Nahversorgung noch ein Drogeriemarkt. An dem Thema arbeiten wir. Auch müssen wir für die Versorgung der Älteren noch weitere Infrastruktureinrichtungen schaffen. Das ist im Rahmen eines informellen städtebaulichen Entwicklungskonzeptes in Westerloh in der Nähe der neu zu errichtenden Kindertagesstätte angedacht, politisch aber noch nicht beraten.

 Mit den Wohngebieten „Bösel-Nord III“ (27 Bauplätze) und „Kampstraße“ in Petersdorf (19 Bauplätze) stehen wieder ausreichend Bauplätze ab Herbst/Winter 2026 zur Verfügung, ebenso im Gewerbebereich durch das Gewerbegebiet Südkamper Ring (23 Gewerbegrundstücke) und der Erweiterung Gewerbegebiet Westerloh (5 Gewerbegrundstücke).  Bei ausreichender Anfrage ist auch der Start der Erschließung des Baugebietes Edewechterdamm umsetzbar. Unser Anspruch ist klar: Bösel soll für Familien in allen Lebensphasen ein verlässlicher, moderner und attraktiver Wohnort bleiben.

 

FRITZ: Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?

Block: Der zentrale Handlungsbedarf liegt in der ausgewogenen Balance zwischen weiterem Wachstum und dem Erhalt einer hohen Lebensqualität. Neben der sozialen Infrastruktur – insbesondere Bildung, Betreuung und Vereinsleben – gewinnen Themen wie Verkehrslenkung, nachhaltige Wohnraumentwicklung und die gezielte Stärkung des Ortskerns zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig messen wir Begegnungsräumen, Freizeitangeboten und einem lebendigen Miteinander einen hohen Stellenwert bei. Mit der Quartiersplanung und der Städtebauförderung eröffnet sich eine hervorragende Möglichkeit, den Ortskern langfristig zukunftsfähig auszurichten.

 

 FRITZ: Ist aus Ihrer Sicht die Ansiedlung eines weiteren Verbrauchermarktes in Bösel vorstellbar oder stößt die örtliche Kaufkraft derzeit noch an ihre Grenzen?

Block: Die Entwicklung der Kaufkraft und des Einzelhandels wird von der Gemeinde sehr aufmerksam beobachtet und im Einzelhandelskonzept bedacht. Aus der Bevölkerung wird immer wieder der Wunsch nach einer Drogerie deutlich, um den täglichen Bedarf an Pflege-, Haushalts- und Gesundheitsprodukten direkt vor Ort decken zu können.   Die Fortschreibung des Einzelhandelsgutachtens aus 2024 hat aufgezeigt, dass ein weiterer Vollsortimenter bzw. Discounter einen Verdrängungswettbewerb auslösen würden. Wir müssen also mehr eigene Kaufkraft in der Gemeinde generieren. Da wir als Grundzentrum nur den örtlichen Bedarf decken dürfen, geht das über einen Einwohnerzuwachs und/oder stärkere Bindung der abfließenden Kaufkraft. Für Erweiterungsoptionen gibt es noch Kaufkraftpotenziale. Auf diese Gespräche konzentrieren wir uns auch.   

FRITZ: Wie kann die Angebotsvielfalt im Einzelhandel langfristig attraktiv und zukunftsfähig gestaltet werden, insbesondere im Hinblick auf Ortskernentwicklung und Wettbewerb mit dem Onlinehandel?

 Block: Der stationäre Einzelhandel der Zukunft wird sich weniger über den Preis, sondern stärker über persönliche Beratung, Serviceorientierung und Erlebnischarakter behaupten. Die Gemeinde unterstützt diesen Weg durch eine aktive Ortskernentwicklung, verlässliche Rahmenbedingungen (Kontakt mit dem Einzelhandel und die notwendigen Bau- und planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen) für Unternehmerinnen und Unternehmer sowie die Förderung gemeinschaftlicher Aktionen. Im Rahmen der Quartiersplanung und Städtebauförderung werden bei einer Förderquote von rund zwei Dritteln und einer Gesamtinvestition von etwa 11 Millionen Euro mehr als 30 Einzelmaßnahmen umgesetzt. Damit wird der Ortskern Bösel Schritt für Schritt modernisiert und nachhaltig gestärkt . Bösel hat leider keine geschlossene Einkaufsstraße mehr, die für eine Einkaufs- und Aufenthaltsqualität wichtig ist. Die Verbrauchermärkte konzentrieren sich an der Friesoythe Straße. Durch die beschriebene Ortskernentwicklung und die Quartiersplanung rund um den Kirchplatz wollen wir auch dem stationären Handel neue Räume für eine Ansiedlung geben. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Einzelhandel sind bekannt und leider nicht erwartungsvoll. Es wird einfach zu viel im Internet gekauft und auch außerhalb der Gemeinde, weil wir bestimmte Angebote in Bösel nicht haben oder aufgrund unserer Grundzentrumsfunktion nicht vorhalten dürfen.  

 
 
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