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Buhr schließt Kandidatur nicht aus

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • 4. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Friesoyther SPD will sich neu aufstellen


Foto: Stadt Friesoythe
Foto: Stadt Friesoythe

Tut sie’s oder tut sie’s nicht? Wird sich Melanie Buhr als SPD-Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Friesoythe aufstellen lassen? Nach dem politischen Nominierungs-Desaster herrscht bei den Genossen seit mehreren Wochen Funkstille. Auch die aktive Ratsfrau und von vielen favorisierte Bewerberin hielt sich lange bedeckt. Doch im Gespräch mit FRITZ online erklärt Melanie Buhr jetzt: „Ich schließe es nicht ganz aus.“


Der Auslöser

In der entscheidenden Sitzung der SPD-Findungskommission im vergangenen Oktober hatten sich die Mitglieder mit 7 : 5 Stimmen überraschend für den Vorsitzenden des Friesoyther Ortsvereins, Olaf Eilers, als Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im September 2026 ausgesprochen. Überraschend deswegen, weil die meisten Beobachter davon ausgegangen waren, dass die stellvertretende Bürgermeisterin, Melanie Buhr, als favorisierte Bewerberin ins Rennen geschickt werde. Das Ergebnis stieß in verschiedenen Teilen der Partei, vor allem auch innerhalb der eigenen Fraktion, auf Unverständnis und sorgte für erhebliche Spannungen.


Melanie Buhr
Melanie Buhr

Rücktritt und Funkstille

Der umstrittene Personalvorschlag führte zu anhaltenden parteiinternen Diskussionen, am Ende der Debatten gab der gewählte Kandidat seinen Rückzug bekannt. Nicht nur das: In einem Brief an die Mitglieder des Ortsvereins teilten Vorsitzender Olaf Eilers sowie weitere Vorstands-Mitglieder mit, dass sie ihre Ämter zur Verfügung stellen.  In dem Schreiben beschrieben sie ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis und kritisierten deutlich das Verhalten einiger Parteimitglieder. Seitdem herrscht nach außen Funkstille.


Wie geht es weiter?

Hinter den politischen Parteikulissen rumorte und brodelte es jedoch weiter.  Der  Abstimmungsprozess entwickelte sich zur waschechten Führungskrise. Doch untätig waren die Parteiverantwortlichen nicht. Inzwischen hat es eine Mitgliederversammlung „mit vielen Fragen und Antworten“ gegeben. „Ich musste die Geschehnisse erst ein paar Tage sacken lassen“, beschreibt Melanie Buhr ihre persönliche Reaktion auf das interne Ergebnis. Doch dann habe sie mit den verbliebenen Mitgliedern des „Rumpf-Vorstandes“, Matthis Ballweg und Jürgen Hespe, dem Juso-Vorsitzenden Erik Pünter sowie der Fraktionsvorsitzenden Renate Geuter den Weg für einen Neuanfang besprochen. Das Ergebnis: Noch in diesem Monat soll in einer Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt werden.  


Wer tritt an?

Damit verbunden ist die Frage: Stellt die SPD überhaupt eine Kandidatin/einen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters? „Das ist die Entscheidung des neuen Vorstandes“, erklärt Buhr. Für sie selbst stellt sie klar: „Ein kompletter Rückzug aus der Kommunalpolitik geht nicht.“ Sie setze sich seit Jahren „mit viel Herzblut“ für die Belange der Stadt Friesoythe politisch ein, „das möchte und kann ich trotz der Niederschläge nicht einfach aufgeben.“ Schließlich könne jedes Gewitter auch reinigend wirken. Auf jeden Fall werde sie als Kandidatin für den neuen Stadtrat zur Verfügung stehen.  Und für das Bürgermeisteramt? „Wir führen viele Gespräche, ganz abgehakt habe ich es nicht“.




Kommentar (von Julius Höffmann)


Reinigendes Gewitter oder Dauerregen?


Was als routinierter Nominierungsprozess für die Bürgermeisterwahl 2026 gedacht war, ist innerhalb der Friesoyther SPD zu einer Führungskrise mutiert, die offenbar Vertrauen zerstört hat und Fragezeichen hinterlässt – aber eben auch die Chance auf einen Neustart bietet.


Die Reaktionen auf die überraschende Empfehlung der Findungskommission, der anschließende Rückzug Eilers’ und die kollektive Aufgabe mehrerer Vorstandsämter zeigen vor allem eines: Die SPD kämpft weniger mit Personalfragen als mit ihrem inneren Zusammenhalt. Die Schärfe der Auseinandersetzungen macht deutlich, wie tief das Misstrauen gewachsen ist.


Doch bemerkenswert ist, wie sehr sich die verbliebenen Akteure darum bemühen, die Partei wieder handlungsfähig zu machen. Eine Mitgliederversammlung, der Plan für Neuwahlen eines Vorstands und die Bereitschaft, miteinander – statt übereinander – zu reden, sind richtige Schritte.  


Im Zentrum des Interesses steht dabei Melanie Buhr. Lange hielt sie sich zurück, vielleicht aus politischer Vorsicht, vielleicht aus Respekt vor dem Chaos, das die SPD selbst verursacht hatte. Dass sie jetzt klar formuliert, ein „völliger Rückzug“ komme für sie nicht infrage, ist ein Signal: Die SPD hat noch Führungspersonal, das sich nicht entmutigen lässt. Buhrs vorsichtiges „Ich schließe es nicht ganz aus“ in Richtung Bürgermeisterkandidatur ist nicht nur ein Satz – es ist eine Einladung an ihre Partei, wieder Vertrauen zu fassen.


Die SPD kann nur dann wieder glaubwürdig auftreten, wenn sie zuvor die eigenen Wunden versorgt. Eine Partei, die im Inneren zerstritten wirkt, überzeugt nach außen niemanden. Die nächsten Wochen entscheiden daher weniger über einen Namen, sondern über die Frage, ob die SPD in Friesoythe ihre Krise als reinigendes Gewitter nutzt – oder in Dauerregen stecken bleibt. 


 
 
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