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Das FRITZ-Interview: Hegewald stellt Weichen für Amtsantritt

Autorenbild: Julius Höffmann
Julius Höffmann
vor 5 Stunden
4 Min. Lesezeit

Von Julius Höffmann


Friesoythe. Einen Tag nach der Bürgermeisterwahl in Friesoythe spricht der künftige Rathauschef über seinen ersten Morgen als Wahlsieger, die Erwartungen an seine Amtszeit und die ersten konkreten Schritte. Kommunikation soll schneller und persönlicher werden, die Ortsteile stärker in den Blick rücken und bei der Wirtschaftsförderung will Hegewald früh anpacken. Einen 150-Tage-Plan hat der neue Bürgermeister bereits im Gepäck. Im FRITZ-Interview erklärt Hegewald, wo die Bürgerinnen und Bürger schon bald Veränderungen spüren sollen, was er sich für die kommenden acht Jahre vorgenommen hat – und warum er sein Amt als CDU-Stadtverbandsvorsitzender abgeben will.



Frage: Herr Hegewald, 53,1 Prozent – was war Ihr erster Gedanke heute Morgen?

Hegewald: Ganz ehrlich: Als Erstes habe ich mein Handy genommen, um in den Zeitungen nachzuschauen, ob das, was ich gestern Abend erlebt habe, tatsächlich wahr ist. Ich habe mich sehr gefreut.


Frage: Sie haben im Wahlkampf gesagt: Friesoythe könne deutlich mehr. Was machen Sie als Erstes anders?

Hegewald: Das große Thema Verbesserung der Kommunikation schwebt einfach über allem – intern wie extern. Deswegen führe ich schon jetzt in der Zeit bis zum Amtsantritt Gespräche mit künftigen Kollegen, wie wir dieses Ziel gemeinsam erreichen können. Konkretes Beispiel: Es müssen wirklich alle Anfragen – ob zum Beispiel von Bürgerinnen und Bürgern oder Unternehmen – beantwortet werden.


Frage: Was ist Ihr wichtigstes Projekt in den ersten 100 Tagen?

Hegewald: Wir haben einen 150-Tage-Plan. Dazu gehört unter anderem, jetzt schon festzulegen, wann wir wo in den Ortschaften Termine für Sprechstunden und Ähnliches anbieten. Es gibt kleinere Punkte, die wir sofort umsetzen können. Ein Beispiel: Bei Antworten aus der Stadtverwaltung wird in Zukunft der Name des Absenders stehen und nicht nur anonym „Ihre Stadt Friesoythe“. Ich möchte, dass es wieder persönlicher wird, dass man weiß, mit wem man Kontakt hatte und an wen man sich wenden kann.

Das geht weiter bei der Mailadresse, die die Ratsmitglieder nur noch verwenden sollen: ratsanfragen@friesoythe.de – weg damit. Ich möchte den kurzen Dienstweg ermöglichen. Was nicht heißen soll, dass wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung vom Arbeiten abhalten wollen. Im Gegenteil. Aber es macht das Ganze effizienter und schneller. Bei den größeren Projekten werden wir uns als Erstes des Themas Wirtschaftsförderung annehmen. Wir werden Gespräche führen – zum Beispiel mit dem HGV Friesoythe sowie in unseren Gewerbegebieten. Um zu schauen: Wo drückt der Schuh, was sind die Bedarfe? Wie ist die Situation, was müssen wir tun? Gleichzeitig werden wir kurzfristig die Besetzung der Stelle einer Wirtschaftsförderin beziehungsweise eines Wirtschaftsförderers anschieben.


Frage: Sie wollen alle Ortsteile stärker in den Blick nehmen. Welcher Ortsteil bekommt von Ihnen als Erstes besondere Aufmerksamkeit?

Hegewald: (schmunzelt) Das sind schöne Fragen, bei denen sich der eine bevorteilt und die andere benachteiligt fühlt. Wir wollen beispielsweise die Rats- und Ausschusssitzungen so rotieren lassen, dass wir überall unterwegs sind – besonders dann, wenn es konkrete Themen gibt.


Frage: Der Wahlkampf ist vorbei: Was war ein Versprechen, bei dem Sie heute sagen – das wird schwieriger als gedacht?

Hegewald: Wir haben uns sehr intensiv darum bemüht, im Wahlkampf nur Themen zu benennen, die wir auch in den nächsten acht Jahren umsetzen können. Von daher werden wir den Teufel tun und haben auch keine Veranlassung, einen Tag nach der Wahl von unserem Programm abzurücken. Jetzt werden die Gespräche mit der Politik und den Fachbereichen geführt, um zu klären, wie wir die Vorhaben umsetzen. Da können auch Kooperationen eine Rolle spielen.


Frage: Sie sind als CDU-Kandidat gewählt worden. Nun aber sind Sie Bürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger …

Hegewald: … definitiv. Natürlich für alle. Bislang bin ich Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Friesoythe. Das Amt werde ich zeitnah abgeben, denn das würde sich aus meiner Sicht mit dem Amt des Bürgermeisters beißen.


Frage: Eine starke politische Botschaft war mehr Tempo. Wo werden die Bürger dieses Tempo konkret spüren?

Hegewald: Zunächst einmal mit dem 150-Tage-Programm. Dann allein schon mit der Tatsache, dass ich nicht bis zum offiziellen Amtsantritt am 1. November warte, um Kontakt mit verschiedenen Menschen aufzunehmen. Anfang November wird schon die erste Ratssitzung sein. Die Termindichte wird hoch bleiben, genauso wie die Präsenz in den Ortschaften.


Frage: Was muss in Friesoythe in acht Jahren anders sein, damit die Menschen sagen: Hegewald hat geliefert?

Hegewald: Wenn die Menschen in acht Jahren sagen: Ja, wir fühlen uns bei den verschiedenen Themen mitgenommen. Wenn wir über die ganze Stadt verteilt neue Baugebiete geschaffen haben. Natürlich Gewerbegebiete, natürlich das Gesundheitswesen. Es gibt viele Bereiche, die wir bearbeiten können und wollen. Da muss es spürbare und erkennbare Veränderungen geben.


Frage: Was sollen die Friesoyther Ihnen am Ende Ihrer Amtszeit auf keinen Fall vorwerfen können?

Hegewald: „Er hat sich nicht gekümmert, hat sein Wort nicht gehalten, hat es nicht hingekriegt.“ Das wäre fatal. Nicht alles wird funktionieren und klappen, das ist mir bewusst. Wichtig wird sein, zu erklären, damit alle Beteiligten wissen, wo die Gründe liegen. Wir müssen die Menschen mitnehmen.


Frage: Und ganz persönlich: Was wird sich für Jann Christian Hegewald und seine Familie ab jetzt am stärksten verändern?

Hegewald: Abläufe und Gewohnheiten zu Hause werden sich verschieben, Termine in den Abendstunden noch deutlich mehr. Die Öffentlichkeit wird eine andere sein, man ist mehr im Fokus. Das war uns aber auch vorher klar.

 
 
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