Das Jahr bleibt zurück - aber wir gehen weiter
- Julius Höffmann

- 31. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Kennen Sie das? Ein Jahr geht zu Ende und der Kalender fordert quasi Bilanz. Sie denken über Erfolge und Misserfolge nach, nehmen sich vor, das eine oder andere in Zukunft zu korrigieren, vielleicht besser zu machen. Ich glaube: Wer nur zählt, was gelungen ist und was nicht, übersieht oft das Wesentliche: Leben – und damit auch dieses Jahr – ist kein Abschlussbericht mit klaren Daten. Es ist vielmehr ein Prozess, der sich ungeordnet fortsetzt.
Ich kann mir vorstellen, dass auch Ihr ganz persönliches Jahr nicht frei von Brüchen war. Unsicherheiten, Diskussionen, Müdigkeit und Momente, in denen sich unzählige Fragen stellten und genauso viele Antworten fehlten. Wir wünschen uns Stabilität, leben aber im ständigen Wandel und müssen damit umgehen. Diese Erkenntnis kann verunsichern – oder befreien. Denn sie erinnert uns daran, dass Stillstand keine Lösung ist und Veränderung nicht automatisch Verlust bedeutet.
Philosophisch betrachtet stellt sich zum Jahresende immer auch die Frage nach Sinnhaftigkeit. Haben Sie ihn entdeckt? Den Sinn des Leben? Ihres Lebens? Nach meiner Überzeugung ist Sinn nichts, was fertig vor uns liegt. Das Leben stellt uns Fragen – nicht umgekehrt.
Trotz aller Kritik am Tempo, am Lärm, an der oft spürbaren Überforderung unserer Zeit bleibt das Fazit: Hoffnung speist sich nicht aus der Annahme, dass alles gut wird, sondern aus der Erfahrung, dass wir mit dem Unvollkommenen umgehen müssen.
So endet dieses Jahr nicht mit einem Schlussstrich, sondern mit einer Fortsetzung. Nicht aus Euphorie, sondern aus Notwendigkeit. Und vielleicht ist gerade das eine Form von Zuversicht: weiterzumachen, nicht weil alles Sinn ergibt, sondern weil Leben gelebt werden will.
Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr mit viel Gesundheit und möglichst vielen sinnbefreiten Momenten.



