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Die Kunst des Wartens an der Schnellkasse

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • 25. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Die Sonntags-Kolumne


Von Julius Höffmann



Symboldbild: Adobe Stock
Symboldbild: Adobe Stock

Modern sind sie ja, diese schnellen Kassen im Supermarkt. Self-Checkout, sagt man heute. Der Kunde wird zum Kassierer, zum Buchhalter. Ich wollte nur kurz rein. Deshalb habe ich natürlich keine Tasche dabei. Keine Einkaufstasche, keinen Korb, nichts. Nur meine beiden Arme, die ich optimistisch für ausreichend hielt. Spoiler: Waren sie nicht. Denn wie das immer so ist, wurden aus „nur Milch und Brot“ plötzlich Champignons, ein großer Joghurt, irgendwas im Angebot und – ach ja – Wein. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Mein persönlicher Albtraum spielt sich allerdings schon vor der Kasse ab: Der große Joghurtbecher rutscht mir aus der Hand, fällt in Zeitlupe zu Boden und explodiert mit einem satten Plopp. Aber nein, ich halte alles fest im Arm. Alles gutgegangen. So gerade noch. Weiter jetzt zur Schnellkasse. Scannen, scannen, scannen. Läuft. Dann: die Champignons. In einer durchsichtigen Tüte. Aber jetzt: Welche Tüte bin ich? Bio? Lose Ware? Pilze, aber welche? Und vor allem: Welche Option sorgt dafür, dass nicht zu viele Gramm berechnet werden – aber auch nicht zu wenige?


Symbolbild: Adobe Stock
Symbolbild: Adobe Stock

Ich entscheide mich. Weiter. Jetzt nur noch der Wein, bezahlen und weg. Denkste. Bitte warten Sie auf einen Mitarbeiter. Altersprüfung. Ich starre auf den Bildschirm. Bin ich alt genug? Die Zeit dehnt sich. Niemand kommt. Die Schnellkasse ist jetzt sehr langsam. Ich schaue nach rechts. Normale Kasse. Kurze Schlange. Ich breche ab, wähle hoffnungsfroh die normale Kasse. Zwei vor mir: eine ältere Dame bereits an der Kasse. Sie zahlt bar. Nicht nur das: Sie hat es klein. Sehr klein. Sie fuchtelt im Portemonnaie, wühlt, sucht, findet Münzen. Eine nach der anderen. Kupfer, Silber. Der Kassierer lächelt gequält professionell.

Ich weiß nicht mehr, wohin ich schauen soll. Mein Blick kehrt immer wieder zu diesem kleinen Portemonnaie zurück, das offenbar unendlich viele Münzen beherbergt. Mein Termin? Erledigt sich von selbst. Aber macht ja nichts. Wir wollen ja alle entschleunigen. Tief durchatmen. Vielleicht sind die schnellen Kassen gar nicht dazu da, Zeit zu sparen. Vielleicht sind sie ein pädagogisches Projekt. Für Geduld. Für Gelassenheit. Für die Erkenntnis, dass man auch mit Kleingeld und Champignons in der falschen Gewichtsklasse irgendwie durchs Leben kommt.

 
 
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