Die Wanne ist voll
- Julius Höffmann

- vor 3 Stunden
- 1 Min. Lesezeit
FRITZ-Kolumne am Sonntag
Von Julius Höffmann

Heute, am 14. Juni, ist Internationaler Badetag. Der Legende nach verdanken wir ihn einem entspannten Wannenbad des griechischen Gelehrten Archimedes von Syrakus. Während andere beim Baden abschalten, soll ihm ein Licht aufgegangen sein: das Prinzip des Auftriebs. Begeistert sprang er angeblich aus der Wanne und rief „Heureka!“ – vermutlich die eleganteste Art zu sagen: „Jetzt weiß ich, warum das Wasser über den Rand schwappt.“
Archimedes erkannte, dass ein Körper in einer Flüssigkeit genau die Menge Wasser verdrängt, die seinem Volumen entspricht - mal mehr, mal weniger... Eine Erkenntnis von unschätzbarem Wert – nicht nur für die Physik, sondern auch für alle, die sich schon einmal gewundert haben, warum eine randvolle Badewanne beim Hineinsteigen plötzlich das Badezimmer flutet.
Mit dem Auftrieb meinte Archimedes übrigens nicht jene geheimnisvollen Bläschen, die gelegentlich an die Wasseroberfläche steigen und über deren Herkunft seit Generationen lieber geschwiegen wird.
Inzwischen verfügen wir über Wellness-Oasen, Regenduschen und Badewannen mit mehr Funktionen als manche Raumkapsel. Dennoch hat Archimedes bis heute recht behalten: Wer in die Wanne steigt, verdrängt etwas. Früher war es Wasser. Heute ist es meist die Zeit – und für eine halbe Stunde vielleicht auch der Rest der Welt.



