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„Diese Krankheit kann unsere Geschichte nicht auslöschen“

  • Autorenbild: Claudia Wimberg
    Claudia Wimberg
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
Demenz in Bildern: Bärbel Nölker (sitzend links) stellt ihre Werke auf Einladung der Friesoyther Künstler Christa Anneken (links) und Gerd Binder sowie Andrea Poppe Aumüller (VHS-Kontaktstelle für Selbsthilfe) und Theresia Ostrowski (sitzend rechts), Koordinatorin des Demenz-Netzwerkes, in Friesoythe aus.               Foto: Claudia Wimberg
Demenz in Bildern: Bärbel Nölker (sitzend links) stellt ihre Werke auf Einladung der Friesoyther Künstler Christa Anneken (links) und Gerd Binder sowie Andrea Poppe Aumüller (VHS-Kontaktstelle für Selbsthilfe) und Theresia Ostrowski (sitzend rechts), Koordinatorin des Demenz-Netzwerkes, in Friesoythe aus. Foto: Claudia Wimberg

Friesoythe/Oldenburg. Hörte er ihr nicht mehr zu? War er nicht mehr so diskussionsfreudig, so selbstsicher und selbstständig oder bildete sie sich das nur ein? Bärbel Nölker war hin und hergerissen. Ihr Mann hatte sich verändert, das ließ sich nicht leugnen. Aber waren das harmlose Alterserscheinungen oder die ersten Anzeichen einer Krankheit? Fragen und Ängste, die sie verunsicherten. Auch Jörg Nölker spürte zunehmend, dass etwas mit ihm nicht stimmte, reagierte gereizt oder zog sich zurück. 2018 erhielt der Oldenburger Kaufmann dann die Diagnose: Alzheimer. „Das war schlimm, aber ich war auch erleichtert, weil mir diese Gewissheit eine Erklärung für sein Verhalten gab“, beschreibt seine Frau.

 

Ihr Leben mit ihrem an Demenz erkrankten Mann, der 2020 starb, hat sie in berührenden Bildern festgehalten. Anlässlich der bundesweiten Aktionswoche „Demenz - (k)eine Frage des Alters“ zeigt die Kauffrau und Künstlerin diese Werke auf Initiative von Andrea Poppe-Aumüller, Leiterin der VHS-Kontaktstelle für Selbsthilfe, und des „Demenz-Netzwerkes für den Landkreis Cloppenburg“ im Atelier der beiden Friesoyther Künstler Christa Anneken und Gerd Binder.

 

Wer die Motive betrachtet, begleitet Bärbel Nölker auf ihrem Weg von der „Vorahnung“ bis zum „Trost“. Auch „Freunde“ thematisiert die 69-Jährige und erinnert sich an früher, als das Haus noch voller Stimmen war. Im Verlauf der Krankheit ist es stiller geworden. „Viele Menschen aus unserem bisherigen Leben haben sich zurückgezogen“, weiß sie um deren Hilflosigkeit und Überforderung. Doch überraschend traten auch neue Menschen an ihre Seite, „die mich und meinen Mann unterstützt haben.“

 

Die Oldenburgerin informierte sich auf allen Plattformen und Netzwerken über das Thema Demenz, sie schloss sich einer Selbsthilfegruppe an und erstellte eine Demenz-App. Als Angehörige wollte sie ihren Mann unter allen Umständen schützen und entwickelte zu Beginn einen „starken Betreuungsinstinkt“. Er fühlte sich jedoch eingeengt und empfand ihre Fürsorge als Überwachung, was zu Stress und Auseinandersetzungen führte. Sie lernte dann, sich auf seine Bedürfnisse einzustellen und war dankbar, dass seine Sensibilität und seine Gefühle ihr, seinen Kindern und Enkeln gegenüber immer erhalten geblieben sind. Jörg Nölker behielt auch seine stets positive Grundstimmung und empfand Freude an schönen Momenten. Nach der Diagnose ging er offen mit seinen Gedächtnisproblemen um und bewahrte sich sein Selbstwertgefühl.

 

Seine Welt war kleiner geworden, ihr gemeinsames Leben begrenzter. Doch „wir haben so viel erlebt, dass diese Krankheit unsere Geschichte nicht auslöschen kann“, unterstreicht seine Frau, die ihre unbeschwerten Zeiten in lebendiger Erinnerung behält. 43 Jahre waren sie ein gutes Team, schrieb sie in der Traueranzeige. „Und auch wenn ein Teil von dir schon vor einiger Zeit gegangen ist, deine Liebe zu uns war bis zum letzten Tag spürbar“.

 

 

Info: Die Vernissage mit den Werken von Bärbel Nölker findet am Freitag, 28. August, ab 19 Uhr im Atelier am Schlachthaus an der Burgstraße 19 in Friesoythe statt. Die Ausstellung ist an allen Sonntagen im September zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet. Zum Thema „Validation als spezielle Kommunikationstechnik bei Demenz - verstehen, wertschätzen, Brücken bauen“ spricht am Sonntag, 6. September, ab 15.30 Uhr Constanze Selle-Harms vom Molberger Demenzzentrum. Dr. Corinna Drebenstedt, Chefärztin der Geriatrie am Friesoyther Krankenhaus, referiert am Sonntag, 20. September, ab 15.30 Uhr über „Gedanken und Fakten zum Thema Demenz.“

 

Das „Demenz-Netzwerk für den Landkreis Cloppenburg“ in Trägerschaft des Bildungswerkes Cloppenburg-Garrel bündelt die Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige und liefert verlässliche Informationen über praktische Hilfe. Selbsthilfegruppen laden im gesamten Kreisgebiet zum Erfahrungsaustausch ein.

 
 
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