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Fastenzeit beginnt heute: Dr. Annette Gründing über Verzicht im Alltag

  • Autorenbild: Claudia Wimberg
    Claudia Wimberg
  • vor 14 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Interview mit Friesoyther Pfarreirats-Vorsitzenden und Ärztin


Von Claudia Wimberg


Annette Gründing. Foto: cl
Annette Gründing. Foto: cl

Fritz online: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es für Karnevalisten. Für Christen ist er der Beginn der Passions- und Fastenzeit. Verzichten Sie in den kommenden sieben Wochen bewusst auf etwas?

Annette Gründing: Auf unser geliebtes Glas Rotwein vielleicht und wir sind weniger unterwegs. Allerdings war die Fastenzeit schon in meiner Kindheit keine Zeit, in der wir dazu angehalten wurden, besonders abstinent zu sein.

 

Fritz online: Also gab es kein Glas, in dem Süßigkeiten gesammelt wurden?

Annette Gründing: Nein, das gab es tatsächlich nicht. Meine Eltern waren sehr gläubige Menschen, aber sie orientierten sich wenig an religiösen oder kirchlichen Riten. Das Gebet vor dem Essen zählte bei uns zu einer festen Tradition, weil es vor allem meinem Vater ein persönliches Anliegen war. Als Flüchtlingskind musste er leidvoll erfahren, was Hungern heißt und eine Mahlzeit nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, sondern für sie zu danken, tat er zeit seines Lebens aus einer tiefen Überzeugung heraus.

 

Fritz online: Viele Menschen verbinden die 40 Tage bis Ostern mit dem Verzicht auf Süßes, Alkohol oder andere kulinarische Laster und Leckereien. Fragt man Sie als Medizinerin, ob diese Phase ausreicht, um positive Effekte auf den Organismus zu erzielen, antworten Sie was?

Annette Gründing: Dass man durchaus drei bis fünf Kilo verlieren kann und sich die Blutwerte verbessern. Geißeln muss man sich aber nicht, sondern einfach mal gesünder leben. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Woche mindestens sechs Tage zählt. Bei der Fastenzeit sind die Sonntage ja offiziell ausgenommen. Bei einigen damit schon die kompletten Wochenenden, die somit freitags anfangen. Bei solch großzügiger Auslegung bleibt dann natürlich nicht mehr ganz so viel Spielraum für die Verbesserung des Stoffwechsels.

 

Fritz online: Für Sie selbst geht es in der Fastenzeit weniger um körperliche Enthaltsamkeit, sondern vielmehr um eine Auszeit, die zu Ruhe und Muße einlädt?

Annette Gründing: Genau so ist es. Ich liebe zwar Süßes und ganz besonders Nussschokolade, aber wir ernähren uns grundsätzlich schon ausgewogen und durch Besinnung mal den alltäglichen Rhythmus zu durchbrechen, gibt mir mehr, als sich bei Genussmitteln einzuschränken. So eine Zeit der Einkehr tut uns allen in dieser schnelllebigen Welt gut.

 

Fritz online: Nehmen Sie sich die Zeit dafür?

Annette Gründing: Ja, das versuche ich schon bewusst. Sich mal zwei Stunden ohne Handy hinsetzen, still sein, über Gott, die Welt und über sich selbst nachdenken, schadet nicht. Im Gegenteil. Gerne höre ich auch die Johannes-Passion von Bach, die in einer so intensiven und bewegenden Weise Jesu Leiden und Sterben vertont…

 

Fritz online: …vor gut 300 Jahren an Karfreitag in Leipzig uraufgeführt und seitdem vielerorts häufig am Fast- und Abstinenztag zu hören. Mit dem Friesoyther Motettenchor haben Sie das Werk 2023 gesungen. Wie begehen Sie ansonsten diesen ‚stillen Tag‘?

Annette Gründing: Er ist auch bei uns kein lauter Tag, aber ein Familientag. Es gibt wie in Kindertagen Kartoffelpuffer und bei uns ist er seit vielen Jahren mit einer sehr schönen Tradition verbunden.

 

Fritz online: Mit welcher?

Annette Gründing: Ostereier-Färben.

 
 
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