Friesoythe und die Kunst des gepflegten Gleichstands
- Julius Höffmann

- vor 23 Stunden
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Der Sonntags-Fritz
Von Julius Höffmann

Vom Mehrheitsmodell zum politischen Patt
In Friesoythe ist die Kommunalpolitik derzeit so spannend wie lange nicht mehr. Wo früher Mehrheiten einigermaßen zuverlässig funktionierten, regiert nun das große kommunalpolitische Rechnen. Aus einem satten 7:5 wurde plötzlich ein elegantes 6:6 – und damit die Erkenntnis: Auch in Ausschüssen kann man unentschieden spielen.
Ein Parteiaustritt verändert die politische Statik
Auslöser der neuen Kräfteverhältnisse ist Ratsherr Olaf Eilers, der die SPD verlassen hat und nun politisch eigene Wege gehen möchte. Die Partei reagierte darauf konsequent und schloss ihn aus der Fraktion aus. In Berlin würde man vermutlich von einer „Neuordnung der politischen Kräfteverhältnisse“ sprechen. In Friesoythe reicht dafür ein sorgfältig vorbereitetes Fraktionstreffen am Montagabend.

Der Versuch eines klärenden Gesprächs
Auch der Versuch, noch einmal das Gespräch mit Eilers zu suchen, gehört natürlich zur kommunalpolitischen Folklore. Dass daraus am Ende kein klärendes Gespräch wurde, passt irgendwie zur modernen Zeit: Früher traf man sich regelmäßig im Vereinsheim, heute wartet man vermutlich darauf, dass zwei blaue Haken erscheinen.
Wenn plötzlich jede Stimme zählt
Plötzlich zählt jede Stimme. Sitzungen könnten künftig davon abhängen, ob jemand im Feierabendverkehr festhängt oder beim Schützenfest doch noch „nur kurz auf ein Getränk“ geblieben ist. Kommunalpolitik wird damit fast ein wenig wie im Finale der Bundesliga: Jeder Punkt zählt.
Streit im Rat, Begegnung beim Bäcker
Und trotzdem bleibt Friesoythe Friesoythe. Trotz aller Verschiebungen betonen die Beteiligten weiterhin die gute Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg. Das ist vermutlich das große Geheimnis vieler Rathäuser: Man diskutiert engagiert, stimmt unterschiedlich ab – und trifft sich später doch wieder voller Harmonie beim Bäcker oder auf dem Stadtfest.
Bis zur Kommunalwahl bleibt es spannend
Bis zur Kommunalwahl dürfte es jedenfalls nicht langweilig werden. Die politische Landschaft sortiert sich neu, Mehrheiten werden knapper, und irgendwo zwischen Verwaltungsausschuss und Wahlvorschlägen zeigt sich einmal mehr: Die besten Geschichten schreibt manchmal eben nicht Berlin, sondern das Rathaus vor Ort. Zum Beispiel in Friesoythe.



