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Friesoythe und die Kunst des gepflegten Gleichstands

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • vor 23 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit
Der Sonntags-Fritz

Von Julius Höffmann

Das Rathaus in Friesoythe. Foto: Stadt
Das Rathaus in Friesoythe. Foto: Stadt
Vom Mehrheitsmodell zum politischen Patt

In Friesoythe ist die Kommunalpolitik derzeit so spannend wie lange nicht mehr. Wo früher Mehrheiten einigermaßen zuverlässig funktionierten, regiert nun das große kommunalpolitische Rechnen. Aus einem satten 7:5 wurde plötzlich ein elegantes 6:6 – und damit die Erkenntnis: Auch in Ausschüssen kann man unentschieden spielen.

Ein Parteiaustritt verändert die politische Statik

Auslöser der neuen Kräfteverhältnisse ist Ratsherr Olaf Eilers, der die SPD verlassen hat und nun politisch eigene Wege gehen möchte. Die Partei reagierte darauf konsequent und schloss ihn aus der Fraktion aus. In Berlin würde man vermutlich von einer „Neuordnung der politischen Kräfteverhältnisse“ sprechen. In Friesoythe reicht dafür ein sorgfältig vorbereitetes Fraktionstreffen am Montagabend.


Im Rathaus wird's spannend. Foto: höf
Im Rathaus wird's spannend. Foto: höf
Der Versuch eines klärenden Gesprächs

Auch der Versuch, noch einmal das Gespräch mit Eilers zu suchen, gehört natürlich zur kommunalpolitischen Folklore. Dass daraus am Ende kein klärendes Gespräch wurde, passt irgendwie zur modernen Zeit: Früher traf man sich regelmäßig im Vereinsheim, heute wartet man vermutlich darauf, dass zwei blaue Haken erscheinen.

Wenn plötzlich jede Stimme zählt

Plötzlich zählt jede Stimme. Sitzungen könnten künftig davon abhängen, ob jemand im Feierabendverkehr festhängt oder beim Schützenfest doch noch „nur kurz auf ein Getränk“ geblieben ist. Kommunalpolitik wird damit fast ein wenig wie im Finale der Bundesliga: Jeder Punkt zählt.

Streit im Rat, Begegnung beim Bäcker

Und trotzdem bleibt Friesoythe Friesoythe. Trotz aller Verschiebungen betonen die Beteiligten weiterhin die gute Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg. Das ist vermutlich das große Geheimnis vieler Rathäuser: Man diskutiert engagiert, stimmt unterschiedlich ab – und trifft sich später doch wieder voller Harmonie beim Bäcker oder auf dem Stadtfest.

Bis zur Kommunalwahl bleibt es spannend

Bis zur Kommunalwahl dürfte es jedenfalls nicht langweilig werden. Die politische Landschaft sortiert sich neu, Mehrheiten werden knapper, und irgendwo zwischen Verwaltungsausschuss und Wahlvorschlägen zeigt sich einmal mehr: Die besten Geschichten schreibt manchmal eben nicht Berlin, sondern das Rathaus vor Ort. Zum Beispiel in Friesoythe.

 
 
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