FRITZ-Kolumne: Heiligabend und die Nordfrautanne
- Julius Höffmann

- 24. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Sagen wir es, wie es ist: Diese Tanne nadelt nicht. Sie wirft nichts hin, sie wirft nichts um, sie wirft höchstens Schatten auf alte Familienkonflikte. Wochenlang steht sie da, mit Lichterketten umwickelt wie ein schlecht gefesselter Weihnachtsbraten, behängt mit Kugeln in Farben, die im Baumarkt vermutlich als „ungewöhnlich“ gelten. Und was macht sie? Nichts. Sie steht. Ruhig. Stabil. Würdevoll.
Ist Raclette ein Essen?
Während um sie herum diskutiert wird, ob Raclette wirklich ein Essen oder nur geschmolzene Verzweiflung ist, während jemand „Last Christmas“ zu früh abspielt und jemand anderes zu spät explodiert – bleibt sie einfach sie selbst. Das ist keine Nordmanntanne. Das ist emotionale Reife auf Nadeln. Eine Nordfrautanne, wenn man ehrlich ist.

Verlässlich wie Omas Plätzchen
Sie braucht Wasser, ja. Aber Aufmerksamkeit? Nein. Lob? Auch nicht. Sie trägt alles, schweigt über alles und lässt sich nicht einmal anmerken, dass sie seit drei Wochen schief angeschaut wird, weil sie angeblich „diesmal kleiner wirkt als letztes Jahr“. Zuverlässig ist sie. Wie Omas Plätzchen. Allerdings ohne Rosinen, die niemand wollte.
Nordfrau klingt nach Kompetenz
Benannt wurde die Klassiker-Tanne nach Alexander von Nordmann, Botaniker, Mann, 19. Jahrhundert. Natürlich. Damals bekamen Bäume noch Männernamen, wenn sie belastbar waren. Geschichte eben. Ordnung. Schublade auf, Baum rein. Fertig. Dabei hätte „Nordfrautanne“ so viel besser gepasst. Klingt nach Kompetenz. Nach Wärme. Nach jemandem, der den Überblick behält, während andere schon wieder Geschenkpapier suchen, das wirklich nachhaltig ist.
Gleichstellung
Vielleicht ist es Zeit für ein Rebranding. Gleichstellung im Wald. Alternativ: Nordelterntanne. Nordmanagerin. Oder einfach: Nordmenschentanne. Oder, ganz revolutionär: Weihnachtsbaum. Denn am Ende ist klar: Diese Tanne hält Weihnachten zusammen. Still. Grün. Unerschütterlich. Die Hauptrolle spielt eben oft nicht der Lauteste, sondern der, der einfach stehen bleibt.

FRITZ wünscht frohe Weihnachten!



