„Ich war Lego-Fan“
- Claudia Wimberg

- 29. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Die Nachwuchsreporter Julie und Ben im Gespräch mit Pfarrer Johannes Rohlfing.

Friesoythe. Der Tisch war festlich gedeckt, als Friesoythes Pfarrer Johannes Rohlfing die Nachwuchs-Reporter Julie Etzel (9) und Ben Stelle (10) im evangelischen Gemeindehaus begrüßte. Bei Kinderpunsch und Lebkuchen stellte sich der Geistliche im Weihnachtsinterview den Fragen der Viertklässler, die die Friesoyther Ludgeri-Schule besuchen und nun exklusiv für das Fritz-Magazin unterwegs waren.
Julie und Ben: Hatten Sie als Kind eine besondere Weihnachtstradition?
Johannes Rohlfing: Natürlich gab es bei uns auch erst einmal ein leckeres Essen. Dann musste alles wieder abgewaschen werden und ihr könnt euch vorstellen, dass das bei uns Kindern immer mit Gezeter verbunden war. Als alles sauber war, haben wir einen Spaziergang gemacht, der sich für uns endlos anfühlte. Aber als auch der dann endlich vorbei war, gab es die Bescherung.
Julie und Ben: Können Sie sich an ein Geschenk erinnern, das Sie als Kind unendlich glücklich gemacht hat?
Johannes Rohlfing: Ich war Lego-Fan und keine acht Jahre alt, als ich eine Eisenbahn von Lego bekam. Darüber habe ich mit riesig gefreut und noch sehr lange damit gespielt.
Julie und Ben: Können Sie uns eine schöne Weihnachtserinnerung aus Ihrer Kindheit erzählen?
Johannes Rohlfing: Wir haben unter anderem „Alle Jahre wieder“ gesungen und wenn es darin hieß „kehrt mit seinem Segen“ haben wir immer „Sägen“ verstanden, was uns aber nie komisch vorkam. Schließlich musste das Christkind ja in die Häuser kommen und hat sich irgendwie unsichtbar hineingesägt - so hatten wir es uns zumindest überlegt. Und wenn ich heute dieses Lied höre, muss ich immer noch ein bisschen lachen.

Julie und Ben: Haben Sie ein Lieblings-Weihnachtslied, das Sie jedes Jahr singen müssen?
Johannes Rohlfing: Ich singe an Weihnachten viele Lieder sehr gerne, aber auf keinen Fall fehlen darf „Stille Nacht“, weil es so feierlich, ruhig und andächtig ist. Dass alle Kinder, ihr ganz sicher auch, „Stern über Bethlehem“ kennen, weiß ich aus einem der Weihnachtsgottesdienste. Das war so laut, dass das Dach fast von der Decke flog. Auch das fand ich natürlich ganz toll, denn wir haben an Weihnachten ja etwas zu feiern und das muss nicht immer leise sein.
Julie und Ben: Was bedeutet Weihnachten für den christlichen Glauben?
Johannes Rohlfing: Weihnachten ist immer noch ein großes Geheimnis und eine verrückte Geschichte. Der allmächtige Gott als Baby in einer Krippe. Und das nicht in einer Weltstadt, sondern in einem Stall. Das kann man sich nicht ausdenken.
Julie und Ben: Welche biblische Geschichte verbinden Sie mit Weihnachten?
Johannes Rohlfing: Es gibt mehrere. Einmal die Weihnachtsgeschichte, die ihr aus dem Krippenspiel mit Jesus, Maria, Josef, den Hirten und der Geburt im Stall kennt. Daneben dann eine andere, gruselige Geschichte, die beschreibt, wie Josef und Maria nach Ägypten fliehen müssen, als König Herodes den Befehl gab, alle neugeborenen Jungen in Bethlehem zu töten. Er hatte von den Weisen aus dem Morgenland von der Geburt eines Königs gehört, aber wollte keinen König neben sich haben und keiner sollte ihm seine Macht streitig machen. Die dritte Weihnachtsgeschichte dauert fünf Sekunden und lautet: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Kurz, aber dahinter stecken ganz viele kluge Gedanken.
Julie und Ben: Gibt es Traditionen oder Bräuche, die Sie empfehlen?
Johannes Rohlfing: Es gibt in allen Familien viele unterschiedliche Traditionen und Bräuche, die Weihnachten ausmachen. Als Pfarrer empfehle ich natürlich auch den Gottesdienst. Da Weihnachten allerdings nicht für alle Menschen ein Fest der Freude ist, weil ein Freund oder ein Familienmitglied gestorben ist, laden wir am 24. Dezember um 14 Uhr auf den Friedhof zu einem etwas anderen Heiligabendgottesdienst ein. Und ich kann euch sagen: Das ist mein berührendster Gottesdienst im ganzen Jahr, weil dort eine ganz eigene Stimmung herrscht.
Julie und Ben: Müssen Sie an Heiligabend den ganzen Tag arbeiten?
Johannes Rohlfing: Nein, nach vier Gottesdiensten habe auch ich Feierabend. Dann feiere ich mit meiner Familie.
Julie und Ben: Welches Weihnachtsessen darf bei Ihnen auf keinen Fall fehlen?
Johannes Rohlfing: Da bin ich beim Festessen eigentlich nicht so festgelegt. Rouladen dürfen es genauso sein wie der Schweinebraten. Was ansonsten nicht fehlen darf, sind Mandarinen, die gehören für mich an Weihnachten unbedingt dazu.
Julie und Ben: Was wünschen Sie sich selbst zu Weihnachten – und darf ein Pfarrer auch verrückte Wünsche haben?
Johannes Rohlfing: Also, ein Pfarrer ist ja auch nur ein Mensch. Und wünschen, so haben es unsere Eltern immer gesagt, darf man sich alles. Ehrlich gesagt habe ich aber so ganz große Wünsche in Form von Paketen nicht, aber freue mich natürlich über das ein oder andere Kleinigkeit. Vor allem wünsche ich mir aber, dass es auf der Welt wieder ein bisschen friedlicher wird. Das mag etwas kitschig klingen, aber steht wirklich ganz oben auf die Wunschliste.
Julie und Ben: Sind Sie eher Team „Früh dekorieren“ oder Team „Am 23. alles in Panik aufhängen“?
Johannes Rohlfing: Ehrlich gesagt lasse ich denjenigen freie Bahn, die das alles viel besser können als ich. Und ich stehe ihnen nicht im Weg.
Julie und Ben: Was wünschen Sie den Kindern unserer Stadt für dieses Weihnachtsfest?
Johannes Rohlfing: Dass sie Weihnachten in vollen Zügen genießen und sich ein bisschen von diesem kindlichen Zauber für das Erwachsenendasein aufbewahren. -cl-



