Lehrer schlagen Alarm: "Blauer Brief" für Rat und Verwaltung

Von Julius Höffmann

Friesoythe. Das Kollegium der Heinrich-von-Oytha-Schule in Friesoythe schlägt Alarm: Die räumliche Situation der Oberschule sei seit Jahren äußerst angespannt – eine nachhaltige Lösung jedoch nicht in Sicht. Ein entsprechendes Schreiben überreichten mehrere LehrerInnen der HvO am Mittwochabend während der Stadtratssitzung als offenen Brief an Bürgermeister Sven Stratmann, die Ratsmitglieder sowie an die Vertreter der Verwaltung. Dies sei auch als "blauer Brief" zu verstehen, hieß es in den Reihen der Pädagogen. Darüber hinaus überreichten sie rund 500 von den SchülerInnen selbst verfasste Briefe. Bürgermeister Sven Stratmann unterstrich in einer ersten Reaktion das "größte Interesse", dass die Container schnell verschwinden (Extrabericht mit weiteren Reaktionen aus der Ratssitzung folgt in Kürze).
Dauerprovisorium
In dem Schreiben betont das Kollegium, dass es seitens der Schulleitung intensive Bemühungen inklusive zahlreicher Termine (Gespräche, Schreiben) mit der Stadtverwaltung gegeben habe, um das Anliegen zu untermauern. Passiert sei jedoch wenig. Die aktuelle Arbeits- und Lernumgebung gestalte sich trotz des großen Engagements aller Beteiligten ausgesprochen herausfordernd. "Seit rund zehn Jahren werden Schülerinnen und Schüler unserer Schule in Containern unterrichtet und seit fünf Jahren müssen diese auch dauerhaft als Klassenräume genutzt werden."
Schule am Limit
Mit rund 500 Lernenden stoße die Schule räumlich an ihre Grenzen. Besonders deutlich werde dies im naturwissenschaftlichen Bereich. Fachunterricht müsse teilweise in regulären Klassenräumen stattfinden – mit Einschränkungen für handlungsorientiertes und fachlich korrektes Arbeiten. Auch spezialisierte Räume fehlten vollständig, das Kollegium beklagt "keine eigenen Fachräume für Kunst, keine Informatikräume und lediglich zwei Differenzierungsräume". Gerade in einer Oberschule mit unterschiedlichen Kursniveaus sei dies jedoch problematisch.

Inklusion nicht umsetzbar
Besonders kritisch bewertet das Kollegium die Situation im Hinblick auf Inklusion. Mehr als 20 Prozent der Schülerschaft – rund 100 Kinder und Jugendliche – benötigten gezielte Unterstützungsangebote. Die Heinrich-von-Oytha-Schule sei als sogenannte Startchancen-Schule entsprechend des Sozialindex eingestuft worden. Doch die baulichen Voraussetzungen entsprächen nicht annähernd den Anforderungen einer inklusiven Schule. Geeignete Differenzierungsräume und Rückzugsorte seien Mangelware.
Auch Ganztag und Sanitärräume unzureichend
Nicht nur der Unterricht leide unter Platzmangel. Aufenthalts- und Bewegungsflächen für das Ganztagsangebot seien sowohl im Gebäude als auch auf dem Schulhof unzureichend vorhanden. Hinzu kämen sanierungsbedürftige Sanitäranlagen sowie fehlende Besprechungsräume für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit. All diese Punkte seien der Stadt seit Jahren bekannt, betont das Kollegium.
Klare Forderung: Arbeitsgruppe statt weiterer Gutachten
Eine erneute Ausschreibung für eine Raumbedarfsanalyse lehnt die Schule ab. Stattdessen fordert sie die Einrichtung einer verbindlichen Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Beteiligten. Als Planungsgrundlage könne das sogenannte Hannoveraner Modell dienen, das auch im Landkreis Cloppenburg Anwendung finde. Angesichts der Dringlichkeit solle ein erstes Treffen noch vor den Osterferien stattfinden.
Perspektive statt Prüfauftrag
Der Appell ist deutlich: Nach einem Jahrzehnt im Provisorium brauche es keine weiteren Prüfaufträge – sondern Entscheidungen.



