Mehr als ein Umbau: Alte Wassermühle wird neu gedacht
- Julius Höffmann

- 2. Mai
- 3 Min. Lesezeit
mit Kommentar

Friesoythe. „Ein ambitioniertes Projekt“ – so der einhellig anerkennende Tenor im Ausschuss für Jugend, Sport und Kultur der Stadt Friesoythe zu den Umbauplänen des örtlichen Mühlenvereins. Ziel der umfangreichen Maßnahme ist es, das Kulturzentrum „Alte Wassermühle“ zu sanieren, zu modernisieren und zukunftsfähig aufzustellen. Einstimmig beschlossen die Politiker einen Zuschuss in Höhe von 150.000 Euro, damit das Vorhaben gemeinsam mit weiteren Fördermitteln realisiert werden könne. Die voraussichtlichen Gesamtkosten belaufen sich nach ersten Berechnungen auf rund 1,05 Millionen Euro. Dabei sei zu berücksichtigen, so die Stadtverwaltung, dass einzelne Angebote bereits überholt seien und im weiteren Verfahren noch präzisiert werden müssten. Die Finanzierung ist als Kombination aus Fördermitteln und kommunaler Beteiligung vorgesehen: Der Mühlenverein hat Mittel aus dem ZILE-Programm beim Amt für regionale Landesentwicklung beantragt; der städtische Zuschuss soll als Kofinanzierung dienen.
Ein Ort mit Geschichte und Zukunft
Seit 1997 hat die Stadt Friesoythe dem Mühlenverein das Gebäude der Alten Wassermühle zur Nutzung überlassen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das historische Bauwerk zu einem wichtigen kulturellen Treffpunkt entwickelt. Mit dem Projekt „Neue Wassermühle“ soll dieser Status nicht nur gesichert, sondern gezielt ausgebaut werden. Ziel ist es, die Wassermühle als modernes und inklusives Kulturzentrum weiterzuentwickeln – offen für alle Generationen und vielfältige kulturelle Angebote.

Status quo: Viel genutzt – mit ungenutztem Potenzial
Die aktuellen Nutzungszahlen zeigen eindrucksvoll, wie lebendig die Wassermühle bereits heute ist: Neben 162 standesamtlichen Trauungen und 79 Nutzungen als Veranstaltungslocation fanden unter anderem 56 Kinoveranstaltungen sowie rund 40 Konzerte und Musikabende statt, ergänzt durch Theateraufführungen, Lesungen und weitere Formate. Besonders hervorzuheben ist das Kino „CINEO“, das in den Jahren 2022/2023 mit Fördermitteln realisiert wurde und seit Februar 2023 erfolgreich in Betrieb ist. Mit regelmäßigen Vorstellungen und speziellen Angeboten für Schulen und Vereine hat es sich in kurzer Zeit fest etabliert.
Zentrale Herausforderung: Barrierefreiheit
Trotz der intensiven Nutzung bestehen derzeit erhebliche Einschränkungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. So sind insbesondere das Kino im Obergeschoss sowie die sanitären Anlagen im Untergeschoss nur schwer oder gar nicht barrierefrei erreichbar; in Einzelfällen müssen Besucherinnen und Besucher das Gebäude sogar verlassen, um von außen zu den Toiletten zu gelangen. Die geplante Lösung ist daher klar strukturiert: Ein Aufzug soll künftig alle Ebenen miteinander verbinden und so einen durchgehend barrierefreien Zugang ermöglichen.
Neue Nutzungsideen für ein lebendiges Kulturzentrum
Auch konzeptionell soll die Wassermühle deutlich weiterentwickelt werden. Im Erdgeschoss ist in Zusammenarbeit mit caritativen Vereinen die Einrichtung einer inklusiven Gastronomie geplant, die nicht nur ein Café- oder Bistroangebot schafft, sondern zugleich Arbeits- und Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung eröffnet. Der Erdgeschossbereich soll darüber hinaus so umgestaltet werden, dass er flexibel für Konzerte, Theater, Lesungen und Vorträge genutzt werden kann; eine moderne Ausstattung, verbesserte Akustik sowie eine professionelle Küche bilden hierfür die Grundlage. Ergänzend dazu soll im Außenbereich ein attraktiv gestalteter Aufenthaltsbereich mit gastronomischer Nutzung entstehen (Biergarten).

"Music Room" geplant
Ein innovativer Baustein ist zudem der geplante „Music Room“ im Kellergeschoss. Dieser soll als kreativer Raum für junge Menschen dienen und mit Tonstudio, DJ- und Podcast-Bereich sowie professioneller Akustik ausgestattet werden. Ziel sei es, insbesondere junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren anzusprechen, Talente zu fördern und neue kulturelle Formate zu ermöglichen. Auch der Kinobereich im Dachgeschoss wird im Zuge der Umgestaltung optimiert, um Abläufe zu verbessern und das Nutzungserlebnis weiter zu steigern.
Kommentar
Von Julius Höffmann
Umbau mit Upgrade: Aus Tradition wird Zukunft
Friesoythe setzt ein starkes Zeichen: Mit der „Neuen Wassermühle“ wird nicht nur ein denkmalgeschützter Ort bewahrt, sondern klug in die Zukunft geführt. Die politische Förderung ist dabei mehr als eine finanzielle Zusage – er ist ein Bekenntnis zu kultureller Teilhabe, Inklusion und städtischer Lebensqualität.
Was hier entsteht, ist kein bloßer Umbau, sondern ein echtes Upgrade für das gesellschaftliche Miteinander: barrierefrei, generationenübergreifend und offen für neue Ideen. Besonders die Verbindung aus bewährten Formaten wie dem erfolgreichen Kino und innovativen Konzepten wie dem „Music Room“ zeigt, wie Tradition und Zeitgeist produktiv zusammenspielen können.
Kurz gesagt: Die Wassermühle bleibt das Herzstück – aber sie beginnt, noch stärker zu schlagen.



