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Mehr Bahn fürs Geld

Autorenbild: Julius Höffmann
Julius Höffmann
31. Mai
2 Min. Lesezeit

FRITZ-Kolumne am Sonntag


Es gibt Dinge im Leben, auf die man sich verlassen kann: dass Weihnachten auf den 24. Dezember fällt, dass Socken in der Waschmaschine verschwinden – und dass die Deutsche Bahn eine Reise niemals einfach nur als „Transport von A nach B“ versteht. Nein, sie macht daraus ein Erlebnis.


Zugegeben: Dass Züge gelegentlich nicht pünktlich sind, Klimaanlagen den Dienst quittieren und Wagenreihungen sich spontan neu erfinden, gehört inzwischen zum allgemeinen Kulturgut. Dennoch machte ich mich jüngst optimistisch auf den Weg, rund 600 Kilometer klimafreundlich zurückzulegen. Und tatsächlich: Es begann erstaunlich harmonisch. Die Verspätungen bewegten sich im Bereich dessen, was Bahnreisende inzwischen als „überraschend pünktlich“ bezeichnen würden. Im ICE angekommen, lehnte ich mich entspannt zurück und freute mich auf mein Ziel.

Dann hielt der Zug.


Nicht etwa an einem Bahnhof, wo Haltepunkte traditionell vorgesehen sind, sondern irgendwo im Nirgendwo. Die Durchsage erklärte, ein Güterzug vor uns sei liegen geblieben. Nun gut, dachte man. Kann passieren. Nach etwa einer halben Stunde setzte sich unser ICE tatsächlich wieder in Bewegung. Erleichterung machte sich breit. Die Krise schien gemeistert.


Doch die Bahn wäre nicht die Bahn, wenn sie sich mit einem Defekt pro Strecke zufriedengeben würde. Unser Zug rollte an. Er stockte. Er rollte wieder. Er stand. Dann meldete sich der Lokführer mit einer Durchsage: Der Güterzug könne inzwischen weiterfahren, erklärte er, „aber nun ist unser Zug defekt.“ Und weiter: „Wenn Sie nach draußen schau’n und sehen einen Mann mit Warnweste am Zug, wundern Sie sich nicht – das bin ich.“


In diesem Moment wurde aus einer Bahnfahrt großes Improvisationstheater.

Irgendwann ging es tatsächlich weiter. Die Anschlusszüge waren zu diesem Zeitpunkt längst uff Strecke, und so erreichte ich mein Ziel spät in der Nacht – mit jener Gelassenheit, die sich nur einstellt, wenn Widerstand zwecklos geworden ist.

Doch die wichtigste Erkenntnis meiner Reise war ein neuer Sprachgebrauch. Denn Verspätungen gibt es bei der Bahn offenbar gar nicht mehr. Das heißt heute „Fahrzeitverlängerung“. Das klingt gleich viel positiver. Schließlich bekam ich zusätzliche Zeit Bahnerlebnis geschenkt – und das ganz ohne Aufpreis. Service muss man eben erkennen, wenn man ihn erlebt.

 
 
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