top of page

Neujahrs-Kolumne: Der Kofferraum des Vergessens

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • 1. Jan.
  • 1 Min. Lesezeit

Die Hündin fühlte sich im Kofferraum pudelwohl und verhielt sich mucksmäuschenstill. Foto: AdobeStock
Die Hündin fühlte sich im Kofferraum pudelwohl und verhielt sich mucksmäuschenstill. Foto: AdobeStock

Es gibt Tage, da trägt man so viele Gedanken mit sich herum, dass selbst der Kopf dringend einen zusätzlichen Raum bräuchte. Und wie ein Kofferraum wird auch dieser gelegentlich einfach zugemacht – mitsamt Inhalt.


So jetzt geschehen bei einer Frau aus Friesoythe, die nur schnell einkaufen wollte. Rein ins Auto, losgefahren, zurückgekommen. Ein ganz normaler Ablauf, bis auf ein kleines Detail: Die Hündin. Normalerweise steht sie bei der Heimkehr geschniegelt vor Freude an der Haustür. Dieses Mal: nichts. Kein Wedeln, kein Jaulen, kein „Wo warst du so lange?“.

Die Suche begann routiniert und endete panisch. Rufen half nicht. Keller? Leer. Das Gartentor stand offen – das Kopfkino gleich mit. Gedanken rasten schneller als jeder Einkaufswagen im Sonderangebot.


In dieser Mischung aus Sorge und Zerstreutheit öffnete die Frau schließlich den Kofferraum. Und siehe da: Dort lag die vermisste Hündin. Still. Entspannt. Offensichtlich der Meinung, man könne es schlechter treffen. Kein Laut, kein Vorwurf, nur ein Blick, der sagte: Warum so aufgeregt?


Die Geschichte hat ein gutes Ende, einen gehörigen Lacher im Nachhinein – und eine kleine Erkenntnis: In diesen Tagen haben wir oft einfach zu viel im Kopf. Termine, Nachrichten, To-do-Listen. Dinge werden „nebenbei“ erledigt, manchmal sogar zu gut. So gut, dass man vergisst, was – oder wer – gerade noch dabei war.


 
 
bottom of page