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Ostern: Wunder und Wochenende

  • Autorenbild: Julius Höffmann
    Julius Höffmann
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Die Sonntags-Kolumne


Von Julius Höffmann


Ostern ist immer noch schön. Symbolbild: Adobe Stock
Ostern ist immer noch schön. Symbolbild: Adobe Stock

Es gibt Dinge im Leben, die sind so verlässlich wie der erste Kaffee am Morgen, die verspätete Bahn – und Ostern. Das höchste christliche Fest, die Feier der Auferstehung Jesu, bleibt. Zwischen Karfreitag und Ostermontag spannt sich nicht nur ein langes Wochenende, sondern auch eine der ältesten und stärksten Hoffnungsbotschaften überhaupt: dass auf das Ende ein Anfang folgt. Ein Fels in der Brandung des Kalenders – und, ja, auch eine ziemlich komfortable göttliche Einrichtung aus Sicht der Arbeitnehmer.

Doch Ostern war nie nur Liturgie und Kalenderlogik. Es war einmal – in einer Zeit ohne Smartphones, aber mit deutlich mehr Geduld – ein Abenteuer. Damals, als wir Kinder waren und der Osterhase noch eine sehr reale Persönlichkeit mit klarer Zuständigkeit war.

Wir bauten ihm Nester. Nicht irgendwelche Nester – nein, kunstvolle, liebevoll geformte Meisterwerke aus echtem Moos, das wir zuvor heldenhaft im Wald zusammengesucht hatten. Mit leicht schmutzigen Händen und großer Ernsthaftigkeit wurde das Grün arrangiert. Schließlich sollte der Hase ja nicht denken, wir hätten keinen Stil.

Und während irgendwo in Kirchen die Auferstehung gefeiert wurde, wuchs bei uns eine ganz eigene Form der österlichen Erwartung: leise, kribbelnd, kaum auszuhalten.

Dann kam der große Moment: der Ostersonntagmorgen. Auf Zehenspitzen schlichen wir zum Nest, als könnten wir den Hasen noch auf frischer Tat ertappen. Und tatsächlich – über Nacht war er da gewesen! Heimlich, flink, großzügig. Plötzlich lagen dort bunte Eier, Schokolade und all die Dinge, die man sich als Kind sehnlicher wünscht als gute Manieren.

Doch damit nicht genug. Der Garten verwandelte sich in ein Suchgebiet von internationaler Bedeutung. Die ganze Familie zog los, ausgestattet mit Adleraugen und detektivischem Spürsinn. Und wie es sich gehört, fand man nie alles sofort. Einige Süßigkeiten tauchten erst Wochen später wieder auf – leicht angeschmolzen, aber mit dem Charme eines späten Sieges.

Besonders raffiniert war unser Umgang mit der Fastenzeit. Naschen verboten? Kein Problem. Wir horteten Lakritz und Kaugummi in einem großen Glas, das wir ehrfürchtig befüllten – und ebenso ehrfürchtig bis Ostersonntag unangetastet ließen. Eine Mischung aus Verzicht und Vorfreude, die dem eigentlichen Gedanken der Fastenzeit näher kam, als wir damals ahnten.

Und heute? Heute ist Ostern anders – und doch gleich. Vielleicht suchen wir keine Nester mehr aus Moos. Vielleicht glauben wir nicht mehr ganz so fest an den Hasen. Aber etwas ist geblieben: dieses leise Versprechen, dass nach dunklen Tagen wieder Licht kommt. Ob in der Kirche, am Frühstückstisch oder beim letzten Schokoladenei im Garten.

Damals war Ostern schön. Heute ist Ostern schön.

Und irgendwo dazwischen sitzt vermutlich immer noch ein Hase und denkt sich: läuft bei mir.

 
 
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