Restauratoren retten Heiligenfiguren - Ausstellung im Altarraum


Friesoythe. Klara und Bonaventura sind eigentlich für die Ewigkeit bestimmt. Rund 140 Jahre standen die beiden handgeschnitzten Heiligen im Hochaltar der Friesoyther St. Marien Kirche an ihrem angestammten Platz, bevor sie gewaltsam aus ihrer Verankerung gerissen wurden. „Was hat man nur mit euch gemacht“, sagt Diplom-Restauratorin Ludmila Henseler kopfschüttelnd und schaut auf abgetrennte Gliedmaße, zahlreiche Risse und zersplittertes Eichenholz. „Gott sei Dank sind die fehlenden Teile gesichert worden“, zeigt sich die international erfahrene Expertin erleichtert, die mit ihrem Kollegen Carsten Mohr die Schäden an den Kunstschätzen nach der im Juni stattgefundenen Randale im Gotteshaus dokumentiert. Der Täter, der sich nachts über ein Gerüst Zutritt verschaffte, zertrümmerte im Altarraum auch verschiedene Zierelemente (Fialen), die auf dem Boden verteilt lagen. Inwieweit Figurenelemente nun sogar neu geschnitzt werden müssen, steht noch nicht fest. Neben der Restauration ginge es auf jeden Fall auch um die Konservierung, „damit das Holz nicht arbeiten kann, was vor allem an feuchten Tagen der Fall ist“, sagt Henseler, die ihr Atelier in Rastede betreibt.

Im Bereich der Kreuzwegmotive wurde auf eines der Gemälde offenbar mit einem Kerzenständer massiv eingeschlagen. Faden für Faden müsse die „stark beschädigte“ Leinwandwieder instandgesetzt werden,informiert die Kunstsachverständige und weiß: „Das ist zeitintensiv, teuer, aber es muss gemacht werden.“ Die Höhe der Gesamtschäden kann noch nicht beziffert werden. Die Kirchengemeinde ist gegen Vandalismus versichert und das Unternehmen umgehend informiert worden.
Ausstellung
Zwischen den ramponierten Kunstschätzen und den aufgrund von Sanierungsarbeiten fehlenden Kirchenfenstern, sorgen Frauen im aktuell eher trostlos wirkenden Altarraum für Lichtblicke: Die Ausstellung „Unbekannte Schwestern“ hat Einzug gehalten, mit der der Bildhauermeister Stefan Lutterbeck an weibliche Figuren des Neuen Testaments erinnert, die häufig namenlos und im Hintergrund geblieben sind. Jede Steinskulptur ist mit einer Bibelstelle verbunden. Der westfälische Künstler greift bekannte Szenen und Begegnungen auf, in denen die Frauen eine tragende Rolle spielen - als Begleiterinnen, Zeuginnen oder Leidtragende. Darunter die Frau des römischen Statthalters Pilatus, die ihm in Form der Stele „Warnen“ von Jesu Verurteilung riet: „Lass’ die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig.“ „Geben“ ist bei der armen Frau in Stein gemeißelt, die ihre letzten Münzen in den Opferstock warf und„Warten“ bezieht sich auf die Prophetin Hanna, die in Jesus den Messias sah. Lutterbeck lädt die Betrachter ein, über bekannte Bibeltexte neu nachzudenken und dabei Fragen nach Würde, Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Wahrnehmung einzubeziehen.


