Steuersenkung entlastet, aber macht Essen nicht billiger
- Julius Höffmann

- 7. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

DeHoGa-Geschäftsführerin Weser-Ems, Hildegard Kuhlen aus Thüle, erklärt im FRITZ-Interview, warum die reduzierte Mehrwertsteuer vor allem Preissteigerungen verhindert, statt sie zu senken, welche Rolle steigende Lohn- und Betriebskosten spielen und weshalb Qualität wichtiger bleibt als der Preis. Außerdem positioniert sie sich klar gegen eine Pflicht zur Kartenzahlung und plädiert für Wahlfreiheit und Bargeld als Stück gelebter Freiheit.
FRITZ: Nun ist die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie vollzogen: Wird jetzt alles günstiger?
Kuhlen: Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, es wird nicht alles günstiger. Aber die Mehrwertsteuerreduzierung für Speisen in der Gastronomie auf 7% wird dafür sorgen, dass es nicht zu den Preissteigerungen in den Gastrospeisekarten kommt, die es ohne die Mehrwertsteuersenkung hätte geben müssen. Wenn man so will, wird dann doch alles günstiger und auch die Gäste profitieren von der Mehrwertsteuerreduzierung im Gastgewerbe.
FRITZ: Warum ist das so?
Nahezu alles, was die Gastronomie benötigt, ist in der jüngsten Vergangenheit erheblich teuer geworden. Insbesondere die steigenden Lohnkosten schlagen hier deutlich zu buche. Sie wissen, dass zum 1. Januar 2025 der Mindestlohn um 8,42% gestiegen ist. Das schlägt in der Gastronomiebranche voll durch und "frisst" einen guten Teil der Steuerreduzierung auf, so dass kein Spielraum da ist, um die Preise zu reduzieren.
FRITZ: Glauben Sie, dass die Steuersenkung langfristige positive Auswirkungen auf die Branche haben wird? Welche Folgen könnten sich hieraus ergeben?
Kuhlen: Die Mehrwertsteuersenkung wird dazu beitragen, dass wir überhaupt eine vielfältige Gastronomie in unserem Lande behalten. Gastronomie ist kein einfaches Geschäft. Damit für sich und die Familie Geld zu verdienen ist mit sehr viel Arbeit und Anstrengung verbunden. Das gilt für die Mitarbeitenden in der Gastro sowie auch für die Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber. Wenn am Ende sowohl für die Beschäftigten als auch für die Unternehmerinnen und Unternehmer ein kleines Plus drin ist, ist das für die ganze Branche belebend.

FRITZ: Restaurantbesuche sind sowieso ein relativ teures Vergnügen. Wäre die Senkung für die Branche nicht auch eine Chance, mit günstigeren Preisen mehr Gäste zu gewinnen?
Kuhlen: Meines Erachtens ist über den Preis nicht viel zu machen, da ist kaum Spielraum. Die Betriebe müssen mit Qualität überzeugen und serviceorientiert sein. Gäste wollen sich wohlfühlen und umsorgt sein. Dafür sind sie auch bereit zu zahlen.
FRITZ: Anderes Thema: Was halten Sie von der politischen Diskussion über die Einführung von ausschließlichen Kartenzahlungen in der Gastronomie? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in dieser Maßnahme?
Kuhlen: Davon halte ich gar nichts. Aus meiner Sicht sollte es weiterhin möglich sein, mit Bargeld zu zahlen. Im Idealfall entscheidet der Gast, wie er bezahlen möchte, also ob bar oder aber mit Karte. In den meisten Betrieben in unserer Region ist eine Zahlung sowohl mit Bargeld als auch per Karte möglich. Das sollte auch weiterhin so sein.
FRITZ: Gab es bereits Umstellungen oder Überlegungen, dies umzusetzen?
Kuhlen: Das Thema ist immer mal wieder in der politischen Diskussion. Aus Sicht der Politik, die die Abschaffung von Barzahlungen bewirken möchte, soll so die Nachvollziehbarkeit des Zahlungsverkehrs erhöht und Geldwäsche erschwert werden. Allerdings ist zu bedenken, dass die Kartenzahlung nicht umsonst ist. Hierdurch entstehen bei jeder Transaktion Gebühren, die zunächst vom Betrieb, aber dann indirekt auch vom Gast zu zahlen sind, da diese Gebühren in der Preisgestaltung natürlich berücksichtigt werden. Darüber hinaus beschränkte eine solche Pflicht die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Wahlfreiheit. Bargeld ist auch ein Stück Freiheit und eine Verpflichtung zur Kartenzahlung betrifft auch den Datenschutz und begründet eine technische Abhängigkeit.



