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Zapfhahn für immer zugedreht: Ära in Markhausen geht zu Ende

Autorenbild: Claudia Wimberg
Claudia Wimberg
24. Feb.
3 Min. Lesezeit

Von Claudia Wimberg


Beenden eine Ära: Hermann und Agnes Rosenbaum haben ihre Gastwirtschaft in Markhausen geschlossen. Foto: Claudia Wimberg
Beenden eine Ära: Hermann und Agnes Rosenbaum haben ihre Gastwirtschaft in Markhausen geschlossen. Foto: Claudia Wimberg

Markhausen. Der alte Wasserkessel hat sich bis in die Gegenwart bewährt und wird anders als Gasgrill und Konvektomat auch in Zukunft bleiben. „Den habe ich vor über 40 Jahren mal meiner Schwiegermutter geschenkt und damit bis zum Schluss den Braten abgelöscht. Ihn werde ich wohl behalten“, sagt Agnes Rosenbaum. Ehemann Hermann sortiert für sich eine paar Bierkrüge als Erinnerung aus, ein Stück aus der Bleiverglasung soll ebenfalls im neuen Haus seinen Platz finden. „Alles andere geht weg“, kündigt der Markhauser an, der mit seiner Frau am 31. Januar offiziell zum letzten Mal die Tür ihrer gemeinsam bewirtschafteten Gaststätte öffnete.

 


Noch steht das 1890 errichtete Gebäude an der Hauptstraße, das rund 70 Jahre in Familienhand war. Nach dem Ausverkauf wird es abgerissen, das Paar zieht in den Neubau nebenan und richtet sich in Räumen und im Ruhestand neu ein. Vor allem an Letzteres müssen sich beide gewöhnen, „aber das Leben besteht nicht nur aus Arbeiten, auch wenn es Spaß gemacht hat.“

 

Gearbeitet haben sie viel und kannten bis auf Weihnachten kaum freie Tage. Hermann Rosenbaum war tagsüber als Malermeister unterwegs, übernahm für verschiedene Firmen als Bauleiter Verantwortung und zählte zu den Ausbildern der Kreishandwerkerschaft. Nach Feierabend und am Wochenende stand er am Zapfhahn, begleitete Feste und Feierlichkeiten im Saal und übernahm die Außer-Haus-Lieferungen des Partyservices. Ehrenamtlich leistet der 67-Jährige besonderes Engagement in der Feuerwehr, ist seit über 50 Jahren Mitglied und war zwölf Jahre Ortsbrandmeister.

 

In der Gastwirtschaft sind er und seine zwei Schwestern quasi aufgewachsen. Ihre Eltern Hermann und Paula stammten aus Schwichteler und suchten in den 50er Jahren eine Kneipe, um sich selbstständig zu machen. Im Schatten der Markhauser Kirche wurden sie schließlich fündig und übernahmen 1955 den zum Verkauf angebotenen Standort. Post- und Vermittlungsstelle zogen später ebenfalls dort ein „und mein Vater ließ sich dafür noch als Postschaffner ausbilden“, erinnert sich Rosenbaum.

 

Leidenschaftliche Wirte: Paula und Hermann Rosenbaum sen. machten sich 1955 in Markhausen selbstständig. Foto: Archiv Rosenbaum
Leidenschaftliche Wirte: Paula und Hermann Rosenbaum sen. machten sich 1955 in Markhausen selbstständig. Foto: Archiv Rosenbaum

Seine Frau heiratete er 1984. Auf die Frage, wo sie sich kennenlernten, müssen beide lachen. „In Sanremo“, lautet die dann eher überraschende Antwort. In den norditalienischen Kurort hatte die Böseler Feuerwehr damals eine Reise angeboten, bei der unter anderem auch Markhauser Mitglieder mitfahren konnten. Damit die Männer im Bus verpflegt wurden, bat er frühere Böseler Gemeindebrandmeister Franz Schwalm die junge Agnes Rosenbaum um Unterstützung. Sie sagte mit einer Freundin zu und bei der reinen Bewirtung sollte es mit Blick auf einen der Kameraden nicht bleiben.

 


Nach dem Ja-Wort arbeitete sie noch bis 1992 in ihrem Böseler Heimatort als Gardinen-Dekorateurin und stieg dann in den Gastronomiebetrieb mit ein. Zwei Jahre zuvor war Hermann Rosenbaum sen. mit nur 67 Jahren verstorben und seine Frau war dankbar über die tatkräftige Unterstützung ihrer Schwiegertochter. 2003 wurde das kulinarische Angebot um den Partyservice erweitert, mit dem sich die Familie vom Küstenkanal bis nach Löningen einen Namen machte. 2018 starb Paula Rosenbaum im Alter von 92 Jahren.

 

Jetzt ist ihr Lebenswerk zu Ende gegangen. Eine Ära, die jedoch nicht sang- und klanglos zu den Akten gelegt werden soll. Somit geben Agnes und Hermann Rosenbaum ihre Gläser noch nicht zum Verkauf frei, da sie sich bei Gruppen und Vereinen sowie ihrem 20-köpfigen Team für die langjährige Treue mit einer Abschiedsfeier bedanken möchten.

 

Dem Service komplett den Rücken kehrt die Hausherrin auch danach nicht und steht weiterhin als Ansprechpartnerin für die Kaffeetafel nach Beerdigungen zur Verfügung, die sie im Dorfgemeinschaftshaus ausrichtet. Außerdem „habe ich mich sofort in der Trimmgruppe angemeldet, für die ich jetzt ja Zeit habe“, verrät die 64-Jährige schmunzelnd, während ihr Mann und 14 Mitstreiter sich zu den „Marka-Boys“ formierten, die sich aktiv um die Pflege von Außenanlagen im Dorf kümmern wollen.

Gemeinsam unternehmen die dreifachen Eltern dann gerne mal eine Tour nach Hamburg, steigen aufs Rad und freuen sich zurzeit besonders auf die Geburt ihres ersten Enkels.

 
 
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