Baby-Boom in Bösel: Warum wurden 25 % mehr Kinder geboren?
- Julius Höffmann

- 18. Jan.
- 1 Min. Lesezeit
FRITZ-Kolumne am Sonntag
Von Julius Höffmann

In Bösel kommen im Schnitt rund 100 Babys pro Jahr zur Welt. Mal zwei mehr, mal zwei weniger. Kitas, Spielplätze und Familienförderung sind fein säuberlich darauf eingependelt. Doch dann kam Corona. Und mit ihr eine Zahl, die selbst Bürgermeister Hermann Block und Öffentlichkeitsarbeiter Stefan Nording kurz die Augenbrauen hochziehen ließ: 25 Prozent mehr Babys! Mitten in der Zeit der Kontaktbeschränkungen. Ohne Dorffeste. Ohne Tanzfläche. Während anderswo Terminkalender verwaisten und hauptsächlich TV-Serien marathontauglich waren, passierte hier etwas ganz anderes: Die Wiegen füllten sich. Leise. Beharrlich. Und erstaunlich fruchtbar.

Man kann nun trefflich spekulieren. Die Pandemie war schließlich eine Zeit des Verzichts: weniger Feiern, weniger Umarmungen, weniger Ablenkung. Dafür mehr Zuhause. Mehr Abende. Mehr Sofa. Und plötzlich saß man nicht nur im Homeoffice enger zusammen, sondern auch emotional. Wenn der Stammtisch pausiert und das Café schließt, rückt der Lieblingsmensch automatisch näher. Man redet mehr, lacht mehr – und denkt vielleicht auch darüber nach, wie schön es wäre, diese merkwürdige Zeit nicht allein zu überstehen. Sondern zu zweit. Oder zu dritt.
Bösel investierte in dieser Zeit der Entbehrungen in die Zukunft. Still, liebevoll und ganz ohne großes Aufhebens. Die Geburtsstationen merkten es zuerst. Die Kinderwagenläden kurz danach.
Und nach Corona? Normalisierte sich alles wieder. Bösel eben – zuverlässig wie immer. Doch dieser kleine Babyboom bleibt eine hübsche Randnotiz der Pandemiegeschichte. Er zeigt: Nähe muss nicht laut sein. Manchmal entsteht sie einfach. An einem ruhigen Abend. In einer ungewöhnlichen Zeit. Und manchmal wächst daraus ein ganz neues Leben.
Corona hat vieles ausgebremst.Bösel hat – ganz nebenbei – beschleunigt. Richtung Zukunft.



