Bitte heute glücklich sein
- Julius Höffmann

- vor 3 Stunden
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Die Sonntags-Kolumne
Von Julius Höffmann

Definieren Sie mal Glück. Na, kommen Sie ins Schwimmen? Ist Glück das große Los, der perfekte Moment, das Dauerlächeln? Oder reicht es vielleicht schon, wenn einfach mal nichts schiefgeht? „Kein Pech zu haben“ – das wäre doch schon ein Anfang. Ein ziemlich guter sogar.
Die Statistiken sagen: Die glücklichsten Menschen leben im hohen Norden. In Finnland zum Beispiel. Ausgerechnet dort, wo die Winter lang, die Tage kurz und die Temperaturen eher etwas für Pinguine sind. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis. Wer monatelang im Halbdunkel lebt, freut sich über jeden Sonnenstrahl wie über einen Lottogewinn. Glück durch Kontrasttherapie sozusagen.
Hierzulande dagegen warten wir oft auf das große Glück – und übersehen dabei die kleinen Versionen im Alltag. Den ersten Kaffee, der genau richtig schmeckt. Das unerwartete Lächeln. Das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ohne überhaupt zu wissen, warum.
Vorgestern war Weltglückstag. Ja, den gibt es wirklich. Von den Vereinten Nationen ausgerufen, quasi ein offizieller Reminder: „Bitte heute glücklich sein!“ Natürlich funktioniert das so nicht. Glück lässt sich weder verordnen noch planen. Es ist kein Termin im Kalender, den man abhakt.
Aber: Sich daran zu erinnern, dass Glück wichtig ist – das kann man schon. Und vielleicht ist genau das der Sinn dieses Tages. Ein kleiner Stupser, genauer hinzusehen. Nicht nur auf das, was fehlt, sondern auf das, was da ist.
In diesem Jahr hatte der Weltglückstag einen ziemlich guten Verbündeten: den Frühlingsanfang. Mehr Symbolik geht kaum. Licht kehrt zurück, Knospen wagen sich hervor, und selbst die hartnäckigsten Wintermuffel bekommen plötzlich bessere Laune. Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist.
Vielleicht sollten wir es also halten wie die Finnen – oder zumindest ein bisschen so tun. Die kleinen Dinge feiern. Das Licht wahrnehmen, wenn es wiederkommt. Und das Glück nicht suchen wie eine verlorene Socke, sondern erkennen, wenn es sich längst neben uns gesetzt hat.
Ab heute. Vielleicht reicht das ja schon.



