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Bullermann schmiedet in 100 Jahre altem Gebäude Pläne für die Zukunft

  • Autorenbild: Claudia Wimberg
    Claudia Wimberg
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit
Von Ruhestand noch keine Rede: Alfred Bullermann ist zwar im Rentenalter angekommen, aber ans Aufhören denkt er noch nicht. Pläne für eine langfristige Zukunft des Friesoyther Standortes hat er allerdings geschmiedet. Foto: Harry Köster
Von Ruhestand noch keine Rede: Alfred Bullermann ist zwar im Rentenalter angekommen, aber ans Aufhören denkt er noch nicht. Pläne für eine langfristige Zukunft des Friesoyther Standortes hat er allerdings geschmiedet. Foto: Harry Köster

Friesoythe. Ein Eisen braucht so viele Schläge, wie es braucht. Aber keinen Schlag mehr. Das wusste auch Alfred Bullermann senior, wenn er in seiner Markhauser Schmiede am Amboss stand. 100 Jahre alt wäre der Hufschmied 2026 geworden, der sich Anfang der 50er Jahre an der Hauptstraße seines Heimatortes eine Werkstatt einrichtete, zunächst Pferde beschlug und später Reparaturarbeiten übernahm. 2014 starb Bullermann im Alter von 87 Jahren. Würde er noch leben, könnte er auf seinen runden Geburtstag mit Sohn Alfred in dessen Friesoyther Ateliergebäude anstoßen, das in diesem Jahr seit ebenfalls genau 100 Jahren existiert.

 


Genau 100 Jahre alt: Das Werkstattgebäude hinter dem Werkhaus Pancratz wurde 1926 errichtet. .Fotos: Claudia Wimberg
Genau 100 Jahre alt: Das Werkstattgebäude hinter dem Werkhaus Pancratz wurde 1926 errichtet. .Fotos: Claudia Wimberg

Eines der ältesten Denkmäler der Stadt, die vom Krieg verschont geblieben sind. Es zählt zum Werkhaus Pancratz, das 1904 an der Kirchstraße errichtet und 1910 von Johann Pancratz erworben wurde. Der Kirchenmaler richtete zum Verkauf von Farben und Pinseln einen Laden ein und erweiterte seinen Betrieb 16 Jahre später im hinteren Teil um ein Werkstatt- und Stallgebäude. Ein paar Meter weiter befindet sich auch heute noch ein Leiterschuppen, in dem die rund zehn Meter langen Leitern lagern, „mit denen Pancratz an den Kirchenwänden hochgeklettert war“, berichtet Kerstin Kramer, Vorsitzende des Vereins „Werkhaus Pancratz“, der sich seit 25 Jahren um den lebendigen Erhalt des städtischen Standorts kümmert.

 

Neben öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen ist den Mitgliedern traditionelles Handwerk in ihren Räumen wichtig. Dass Schmiedemeister und Diplom-Designer Alfred Bullermann vor 20 Jahren dort einzog, „war und ist ein großes Glück“, so Kramer. Auch Bullermann hat diesen Schritt seit 2006 nie bereut. „Die traditionelle Atmosphäre faszinierte mich sofort und es ist bis heute ein tolle Zeit“, sagt der 65-Jährige, der vor 40 Jahren seinen Meister machte und seit seinem Diplom vor 35 Jahren als freischaffender Künstler tätig ist.

 

Mit Blick auf seinen Beruf hat ihn sein Vater maßgeblich geprägt. Feuer und Flamme für die kreative Laufbahn seines Sohnes war der Senior zunächst allerdings nicht. „Off dat woll wat werd?“, klingt Bullermann noch im Ohr, der von seinen Ideen jedoch überzeugt war. Und es wurde was. National wie international machte sich der Junior mit Arbeiten und Aktionen einen Namen und überzeugte auch seinen alten Herren, der schließlich zu seinen größten Unterstützern und Motivatoren zählte. „Dankbar bin ich für all die interessanten und kreativen Aufgaben, die die gesamte Bandbreite der modernen Metallgestaltung abdecken sowie die Restaurierung und Rekonstruktion historischer Schmiedearbeiten“, sagt der Metallgestalter.

 


Die Werkstatt ist seit 20 Jahren die Wirkungsstätte von Schmiedemeister Alfred Bullermann
Die Werkstatt ist seit 20 Jahren die Wirkungsstätte von Schmiedemeister Alfred Bullermann

Zwar sei er im Rentenalter angekommen, doch zum alten Eisen möchte er noch lange nicht gehören und sich als Botschafter und Experte auch zukünftig im In- und Ausland „für das Schmiedehandwerk als lebendiges Kulturgut aktiv einsetzen.“

Die bayerische Landeshauptstadt München wird am 24. Juni sein nächstes Ziel sein, wenn das Freiformschmiedehandwerk in Bayern offiziell als immaterielles Kulturerbe anerkannt wird, damit es bald auch ins bundesweite Verzeichnis aufgenommen werden kann.

 

Was das operative Geschäft in seinem Friesoyther Atelier angeht, wünscht er sich, dass es „auch hier und über mich hinaus weitergehen und das Handwerk sichtbar erhalten werden kann.“ Die ersten Pläne habe er dafür schon geschmiedet und Weichen gestellt.

 
 
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