Hohefeld: In alter Grundschule entwickelt sich neues Dorfleben
- Julius Höffmann

- vor 1 Tag
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Altenoythe/Hohefeld. „Hier pulsiert das Leben“, gerät Marianne von Garrel bei der Vorstellung der renovierten alten Grundschule in Altenoythe/Hohefeld regelrecht ins Schwärmen. Wo früher unterrichtet wurde, sei heute ein lebendiger Treffpunkt für alle Generationen entstanden. Stimmt: Im ehemaligen Lehrerzimmer befindet sich inzwischen eine moderne Küche, in den früheren Klassenräumen wird getanzt, geturnt und gemeinsam gefeiert. Gleich nebenan treffen sich Vereine, Gruppen und Clubs zum Kaffee und Klönen, in der Kühlkammer stehen Getränkekisten. Die 1. Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer der Grundschule Hohefeld e. V. blickt gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen Alfons von Garrel und Bernd Hardenberg auf eine bemerkenswerte Entwicklung des rund 100 Jahre alten Gebäudes zurück.
Der Blick nach vorne
Zunächst aber richtet sich der Blick nach vorne in die nahe Zukunft: Zu den nächsten Planungen gehört ein inklusiver Mehrgenerationen-Spielplatz mit naturnahen Aufenthaltsmöglichkeiten, ein Großprojekt, das zeitnah realisiert werden soll. Kosten der ambitionierten Maßnahme: rund 55 000 Euro. Fördersummen der Stadt, des Landkreises, der Banken, der Kleebaumstiftung, Gelder aus dem Leaser-Programm sowie eine große Portion Eigenleistung machen die Umsetzung möglich.

"Vatertagstour" mit Pommes und Bratwurst
Doch alleine durch Fördermaßnahmen könnten die entstehenden Kosten nicht gedeckt werden. Rund 12000 - 15000 Euro müsse der Verein jährlich aufbringen (Unterhaltung, Heizung, Strom, Wasser, Versicherung). Dies sei durch die Mieteinnahmen der Fitnessangebote und Wohnungsvermietung sowie mit den Einnahmen von Veranstaltungen möglich. So zum Beispiel auch am kommenden Donnerstag, wenn bei Pommes und Bratwurst zur Vatertagstour mit "Boxenstopp" eingeladen wird.
Der Blick zurück: Vom Protest zur starken Dorfgemeinschaft
Seit 2004 engagiert sich der Verein für den Erhalt der Grundschule und die Förderung des Dorflebens. Gegründet wurde er einst als Reaktion auf die damals diskutierte Schließung der Schule. Über viele Jahre entstand daraus eine starke Gemeinschaft aus engagierten Mitgliedern und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.
Neue Aufgabe nach der Schulschließung
Als die Grundschule schließlich zum 1. August 2020 geschlossen wurde, stand der Verein vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Statt sich aufzulösen, nahm er eine neue Herausforderung mit einem neuen Satzungszweck an: den Erhalt und die sinnvolle Nachnutzung. Das Konzept eines naturnahen, inklusiven Mehrgenerationenortes für Jung und Alt entwickelte sich und stieß auf Akzeptanz. Im Juli 2023 verkaufte die Stadt Friesoythe das Gebäude schließlich für den symbolischen Preis von einem Euro an den Förderverein.
Ehrenamtliches Engagement bringt neues Leben ins Haus
Zahlreiche Ehrenamtliche investierten unzählige Stunden in die Sanierung und Belebung des Hauses. Innerhalb kurzer Zeit wurden Garagen für das Zeltlagerteam hergerichtet, eine Wohnung renoviert und vermietet, ein barrierefreier Zugang geschaffen sowie Möbel und Ausstattung organisiert. Auch Traditionen wie der St.-Martinsumzug kehrten zurück.
2024: Die ehemalige Schule wird zum Treffpunkt
2024 nahm das Projekt richtig Fahrt auf. Rund 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer arbeiteten nahezu durchgehend an der ehemaligen Schule. Es wurden Bodenbeläge verlegt, Wände geöffnet, Wasser- und Abwasserleitungen erneuert, Elektrik modernisiert sowie Küchen eingebaut. Zusätzlich entstanden eine Veranda mit barrierefreiem Zugang und neue Aufenthaltsbereiche im Außenbereich.

Heute wird das Gebäude fast täglich genutzt.
Zum Angebot gehören unter anderem Yoga, Kinderturnen, Poledance sowie Sport- und Kursangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von Dana Marcussen und Claudia Schlörmann (pole-moves.de) professionell angeboten werden. Hinzu kommen private Familienfeiern, Klassentreffen, Grillabende und Weihnachtsfeiern.
2025: Weitere Investitionen und mehr Planungssicherheit
Die positive Entwicklung spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen wider, berichtet der Vorstand im Gespräch mit fritz-online: Während nach der Schulschließung nur noch rund 30 Mitglieder aktiv waren, zählt der Verein inzwischen etwa 110 Unterstützerinnen und Unterstützer. Auch 2025 wurde weiter investiert. Zu den umgesetzten Projekten gehören unter anderem eine behindertengerechte WC-Anlage, Brandschutzmaßnahmen, Pflasterarbeiten, die Fertigstellung der Elektrik sowie die Gestaltung des Außengeländes mit Baumbank, Sandkasten und neuem Geräteschuppen. Zudem sorgt die Aufnahme in die Förderrichtlinien für Dorfgemeinschaftshäuser der Stadt Friesoythe seit Februar 2025 für zusätzliche Planungssicherheit.
Kommentar
Von Julius Höffmann
Mitten im Leben
Was in Hohefeld entstanden ist, verdient mehr als nur anerkennende Worte. Die ehemalige Grundschule ist nicht einfach nur saniert worden – sie wurde mit Herzblut, Ideenreichtum und unzähligen ehrenamtlichen Stunden neu zum Leben erweckt. Dort, wo einst das Ende einer Schule drohte, wächst heute ein Ort der Begegnung, der Gemeinschaft und des Zusammenhalts.
Gerade in Zeiten, in denen vielerorts über schwindendes Ehrenamt und fehlendes Miteinander geklagt wird, setzt Hohefeld ein starkes Zeichen. Die engagierten Bürgerinnen und Bürger haben gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und an ihre Dorfgemeinschaft glauben. Ohne großes Aufheben, aber mit beeindruckender Tatkraft.
Das Projekt beweist: Eine starke Gemeinschaft kann etwas bewegen. Sie kann Leerstand verhindern, Traditionen bewahren und gleichzeitig neue Perspektiven schaffen. Aus einem ehemaligen Schulgebäude ist Schritt für Schritt ein offener Treffpunkt für alle Generationen geworden – mitten im Leben.
Genau solche Orte braucht der ländliche Raum: Plätze, an denen Gemeinschaft nicht nur beschworen, sondern tatsächlich gelebt wird. So kann es gelingen.



