Theater "ex Libris" schenkt "Die Feuerzangenbowle" in Friesoythe ein

FRITZ-Interview

Friesoythe. „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann als Hans Pfeiffer in der Hauptrolle zählt zu den berühmten und zeitlosen Filmklassikern, die traditionell zur Winter- und Weihnachtszeit in Schwarz-weiß über den Bildschirm flimmern. Das Theater „ex Libris“ aus Münster präsentiert nun die humorvolle Schulgeschichte von Heinrich Spoerl als Live-Hörspiel in Friesoythe. Über die Aufführung, Hintergründe und den historischen Kontext informiert Sprechwissenschaftler und Diplom-Theologe Alexander Rolfes (43) aus Cloppenburg als Ensemble-Mitglied im Interview.
Fritz online: Film oder Hochprozentiges? Was kam Ihnen beim Stichwort „Feuerzangenbowle“ als Erstes in den Sinn, bevor es Thema in Ihrem Theater wurde?
Rolfes: Immer der Film. Und dabei erinnere ich mich gerne auch an meine Studienzeit in Münster zurück. In meinem Fachbereich war es gute Tradition, den Klassiker am Ende des Jahres im Hörsaal zu zeigen. Requisiten, wie Taschenlampen, durften nicht fehlen, um unvergessene Szenen mitzuspielen. Insgesamt eine super witzige Veranstaltung, in der es die Feuerzangenbowle aber natürlich nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Glas gab.
Fritz online: Ob sie auch im Friesoyther Kulturzentrum ausgeschenkt wird, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass „ex Libris“ bei seinen Live-Hörspielen die Literaturklassiker grundsätzlich in ihrer Urfassung präsentiert…
Rolfes: Ja, wir halten uns strikt an die Original-Buchvorlage. „Die Feuerzangenbowle“ veröffentlichte Heinrich Spoerl 1933 als Roman, 1943/44 wurde die Geschichte gedreht und verfilmt. In diesem Fall beschränken wir uns allerdings nicht nur auf die Urform des Buches, sondern binden die oft verschwiegene Entstehung des Films ein, ohne die Aufführung tragisch werden zu lassen.
Fritz online: Die Dreharbeiten begannen kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Inwieweit standen sie unter nationalsozialistischem Einfluss?
Rolfes: Das Film-Studio in Babelsberg stand bereits unter dem Beschuss der Alliierten, als gedreht wurde. Das fast ausnahmslos überalterte Kollegium in der Geschichte war dem Umstand geschuldet, dass viele der jungen Schauspieler an der Front waren. Der Film ist kein reiner Propagandafilm, aber er war natürlich ohne jegliche Kritik am Staat NS-tauglich. Die schöne, heile Welt sollte der Unterhaltung dienen und für Ablenkung sorgen. Allerdings wollte Reichserziehungsminister Bernhard Rust die Ausstrahlung verhindern. Er vertrat die Ansicht, dass Lehrer, von denen es kriegsbedingt ohnehin wenige gab, im Film zu sehr vorgeführt würden.
Fritz online: Warum kam er dennoch in die Kinos?
Rolfes: Heinz Rühmann nutzte seine guten Kontakte zur Führung und stellte ihn hochrangigen Politikern, wie Hermann Göring, in der Wolfsschanze als Führerhauptquartier vor. Adolf Hitler wurde unterrichtet und soll gefragt haben: ‚Ist dieser Film zum Lachen?‘ Als das bejaht wurde, erhielt Propagandaminister Joseph Goebbels den Befehl, ihn freizugeben. Rühmann setzte sich danach dafür ein, dass die am Film beteiligten jungen Schauspieler nicht mehr in den Krieg ziehen müssen.
Info: Auf Einladung des Kulturkreises Bösel Saterland Friesoythe präsentiert das Theater „ex Libris“ unter der Leitung von Christoph Tiemann den Klassiker „Die Feuerzangenbowle“ am Sonntag, 22. November, ab 17 Uhr im Kulturzentrum „Alte Wassermühle“ in Friesoythe. Tickets können zum Preis von 20 Euro bei der Buchhandlung Schepers oder an der Abendkasse zum Preis von 22 Euro erworben werden.



